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09.04.2019

Bürgerwissenschaftsprojekt Landinventur

Die Neuvermessung Mecklenburg-Vorpommerns beginnt!

Das Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. führt seit dem Herbst 2017 das Projekt
„Landinventur – ein Bürgerwissenschaftsprojekt zur kollektiven Raumbeobachtung” durch
und wird dabei vom BMBF gefördert. Nach vielen Workshops mit Bewohner*innen der
Dörfer und Gesprächen mit Expert*innen sind wir nun dabei, eine digitale Plattform zu
entwickeln, um im Juni mit der großen Inventur starten zu können.
Worum geht es in dem Projekt?

Unser Ziel ist es, Daten über das Leben auf dem Land im 21. Jahrhundert zusammentragen, um damit die Situation ländlicher Räume detaillierter und alltagsnäher beschreiben zu können. Mecklenburg-Vorpommern setzt sich aus ca. 6000 Dörfern zusammen. Diese werden in 748 Gemeinden und sechs Landkreisen verwaltet.
Die Größe der Landkreise liegt zwischen 2000 und 5500 Quadratkilometern. Unsere These: Die Vielfalt der Dörfer geht in dieser grobmaschigen Betrachtung verloren und politische und planerische Entscheidungen können nicht angemessen auf den Lebensraum Dorf zugeschnitten werden.
Daher haben wir uns mit der Landinventur zum Ziel gesetzt, die Dörfer zurück auf die Landkarte zu bringen. Dazu folgen wir dem bürgerwissenschaftlichen Ansatz. Bürgerwissenschaften ermächtigen fachfremde Menschen und Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund dazu, Teil der Wissenschaftsproduktion zu werden. Dabei treffen wir folgende Grundannahme: Ohne die Beteiligung der Bewohnerschaft Mecklenburg-
Vorpommerns ist die genaue Erfassung der Dörfer nicht möglich. Gleichzeitig erhalten auch die
Bürgerwissenschaftler*innen selbst durch ihre Beobachtungsarbeit einen neuen Blick auf ihr Dorf und die Schwierigkeiten bzw. Möglichkeiten zukünftiger Entwicklung.

Was bisher geschah Letztes Jahr waren wir mit der mobilen Forschungsstation in vielen Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs, um mit den Bürgerwissenschaftler*innen zu diskutieren: Was wollen wir herausfinden? Wie lässt sich die Lebenswelt Dorf wissenschaftlich erfassen? Welche Fragen können wir stellen? Mit Stift, Zettel und Karte haben wir an analogen Fragebögen gefeilt, die nun in einen digitalen Prototypen übertragen wurden.
Dieser befindet sich zur Zeit in der Testphase und kann unter www.beta.landinventur.de ausprobiert werden. Dort bekommt man auch ein erstes Bild, wie die Datenauswertung für jedes Dorf aussehen wird – beispielsweise für Witzin: https://beta.landinventur.de/map/3576

Bis zur großen Inventur im Juni wird die Darstellung Benutzbarkeit und inhaltliche Ausrichtung weiter verfeinert.

Die Inventur Mecklenburg-Vorpommerns startet im Juni.
Die Beschäftigung mit der eigenen Lebenswirklichkeit vor Ort und die Reflexion des Vorhandenen als Grundlage für das, was einmal sein könnte, sind Ziel und Anspruch der Landinventur.

Deshalb bietet eine digitale Plattform die Möglichkeit, ab Juni 2019 eine Inventur für das eigene Dorf in Mecklenburg-Vorpommern durchzuführen. Die Aktion beginnt mit zwei fokussierten Wochen vom 3. bis 16. Juni, um die Inventur als kollektives Ereignis erfahrbar zu machen. Für diese Zeit wollen wir so viele Dorfbewohner*innen wie möglich dafür gewinnen, mitzumachen.

Für die Teilnahme braucht es ungefähr eine Stunde Zeit, um Fragen in den vier Themen-bereichen Leben, Ernten, Wirtschaften und Engagement zu beantworten und bestimmte
Dorfelemente zu kartieren. Diese interaktive Datenabfrage wird durch einführende Videos begleitet.
Gleichzeitig werden wir auch mit unserer mobilen Forschungsstation in ganz MV unterwegs sein und vor Ort Workshops mit den Dorfbewohner*innen durchführen und für die Teilnahme werben. Über den detaillierten Zeitplan der Tour werden wir bald auf unserer Webseite informieren.
Darüber hinaus ist die Landinventur auch Teil der Ausstellung „Von Barbizon bis ans Meer – Carl Malchin und die Entdeckung Mecklenburgs” vom 5. Juli 2019 bis 5. Januar 2020 im Staatlichen Museum Schwerin.

Was sind die Ziele des Projektes?
- möglichst viele Dörfer in MV zu inventarisieren und kartieren
- darüber einen direkten und weitreichenden Einblick in das Leben auf dem Dorf und die
   Entwicklungsdynamik auf den Dörfern zu ermöglichen
- die Menschen für ihr Dorf und Themen der Dorfentwicklung zu sensibilisieren
- der Öffentlichkeit einen Einblick in die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Dörfer zu bieten
- eine Datengrundlage für die wissenschaftliche Auswertung und Aufarbeitung zu erarbeiten

Wer steht dahinter?
Das Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. beschäftigt sich mit der Transformation von Gesellschaften, insbesondere der ländlichen Räume in Ostdeutschland. Ein zentrales Themenfeld ist die Rolle und Funktion der Zivilgesellschaft bei der Gestaltung von Transformationsprozessen. Unsere Arbeit ist sowohl klassisch forschend als auch partizipativ. Besonders der gemeinschaftliche Erkenntnisgewinn, die kreative und einfache Kommunikation der Ergebnisse sowie eine Interaktion auf Augenhöhe sind unser größtes Anliegen in unserem Schaffen. Das Denk- und Designbüro studio amore unterstützt uns bei der Kommunikation und der Entwicklung von Beteiligungsformaten für den Prozess.

Kontakt:
www.landinventur.de Eleonore Harmel
info@landinventur.de Thünen Institut für Regionalentwicklung e.V.
harmel(at)thuenen-institut.de
0176 21504602