Selmsdorfs Gemeindevertretung feuerte volle Breitseiten auf Bürgermeister Detlef Hitzigrat. Stasi-Vergangenheit, eine glatte Lüge und Vorteilnahme im Amt werden ihm vorgeworfen.
Selmsdorf - Ist Detlef Hitzigrat für den Posten des Bürgermeisters geeignet?
Daran zweifelt eine Mehrheit der Gemeindevertreter. Die Fraktionsvorsitzenden haben Einsicht
in ihn betreffende Unterlagen der Stasi-Behörde genommen - und sechs Kommunalpolitiker
waren am Ende nicht davon überzeugt, dass der Gemeindechef Ehrenbeamter bleiben sollte.
Fünf waren anderer Meinung. Laut Beschluss vom Donnerstag wird Hitzigrat nun angehört und
dann innerhalb von sechs Monaten in einer weiteren Sitzung entschieden, ob die Ernennung
zurückgenommen wird.
Wenn ihm das Ehrenbeamtenverhältnis aberkannt wird, kann er auch nicht mehr Bürgermeister sein.
Theoretisch: Denn das Amt Schönberger Land hat vorsorglich schon mal durch einen Fachanwalt prüfen lassen, welche rechtliche Konsequenzen Zweifel an der Eignung fürs Ehrenamt haben. Und der konnte keine entdecken. Übrigens: Hitzigrats Stasi-Tätigkeit ist bereits seit 1999 bekannt.
Wirkliches Ungemach droht dem Bürgermeister aus einer ganz anderen Ecke.
Im Jahr 2004 war er wegen angeblicher Vorteilnahme im Amt angezeigt worden. Das Verfahren wurde eingestellt. Aber: "Haben Sie ein Bußgeld zahlen müssen?"
Peter Tengler verlangte während der Einwohnerfragestunde eine Antwort. Von Bürgermeister Detlef Hitzigrat kam ein klares "nein".
Ganz am Ende der Sitzung warf Christian Seiler (CDU) dem Bürgermeister vor, glatt gelogen zu haben. Denn der habe sehr wohl ein Bußgeld von 1000 Euro gezahlt.
Frank Lehmann, Verwaltungschef im Schönberger Land, bestätigte, dass er von einer Bußgeldzahlung Hitzigrats wisse, nicht aber deren Höhe kenne. Hundert Euro hat der Bürgermeister außerdem an das Amt überwiesen, um den finanziellen Vorteil, den er sich damals verschafft hatte, auszugleichen.
Hitzigrats Gegner kalkulieren so: Wird ein Ermittlungsverfahren sang- und klanglos eingestellt, dann ist an der Sache nichts dran. Anders sieht das aus, wenn ein Bußgeld gefordert wird.
Bürgermeister Detlef Hitzigrat war seinerzeit vorgeworfen worden, Gemeindearbeiter für private Zwecke eingespannt zu haben. Jetzt wird auf Antrag von Frank Brinker (SPD) der Landrat gebeten,
ein Disziplinarverfahren gegen den Gemeindechef Bürgermeister Detlef Hitzigrat. einzuleiten.
Bürgermeister Detlef Hitzigrat. ist auch Vorsitzender der Wählergemeinschaft Bürger für Selmsdorf (BfS). Sie hat die Mehrheit in der Gemeindevertretung, und die steht nicht mehr geschlossen hinter ihm. Das wurde auch bei der Abstimmung über die Änderung der Hauptsatzung deutlich.Sie wurde eigens mit sieben zu fünf Stimmen geändert, um Bürgermeister Detlef Hitzigrat die Aufwandsentschädigung von 900 auf 450 Euro zu halbieren.
Mit der für ihn blamablen Begründung, dass er seinen Aufgaben als Bürgermeister nicht zufriedenstellend erledige. Selbst BfS-Fraktionschef Karl-Heinz Dube ist dieser Ansicht.
Selmsdorf-Agentur: Karl-Heinz Kniep / Quelle: Michael Berndt