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21.07.2007

Gaststätte mit Aussichtsturm

Das idyllisch gelegene Dorf macht einen fast verträumten Eindruck, und auch die von dem rührigen Bürgerverein veranstalteten Feste haben, obwohl sie viele Gäste nach Sülsdorf bringen, einen eher familiären Charakter. Das war einst ganz anders.

1880 richtete Zimmermann und Gastwirt Johann Joachim Wiencke in der Büdnerei 3 eine Gaststätte ein. Das Geschäft florierte, sodass Wiencke bald einen etwa 15 Meter hohen, hölzernen Aussichtsturm errichten ließ. Der stand auf dem hinteren Teil des Grundstücks. Bei klarer Sicht konnte man von ihm bis Travemünde sehen. Wiencke war ein tüchtiger Geschäftsmann mit ausgesprochenem Sinn für Werbung. Ansichtskarten trugen das Bild seines „Etablissements“ durch Deutschland, und er brachte es fertig, dass zu Festen wie Himmelfahrt Tausende von Besuchern kamen, für die die Gaststätte trotz des inzwischen angebauten Saals viel zu klein war. Gewitzt, wie er war, ließ er Zelte aufstellen, für die er dann auch warb – kein Gast sollte bei Regen nass werden. Wurde es wieder still, warb er mit „Ruhe“ und „Gemütlichkeit“.

Wienckes Nachfolger wurde Paul Jenning, der 1908 die Büdnerei mit Gaststätte, Aussichtsturm und Kramwarenladen kaufte und seinem Vorgänger in nichts nachstand. Er legte für seine Gäste ein Schaugehege mit Rehen an und baute eine Kegelbahn. Der Turm wurde in den 30er-Jahren abgerissen. Jenning starb 1948. Etwa zehn Jahre später wurde die Gaststätte geschlossen, der Laden existierte als Konsum bis 1978. Heute ist die ehemalige Büdnerei wieder ein Wohnhaus.