Herbstgedichte


Spätsommerliebe

Nein, man kann`s nicht länger ignorieren, dass erste Stürme uns schon kalt umweh`n. Wir fröstelnd nun, am dunstigfrühen Morgen durch silbrignasse Wiesen geh`n. Wo Tau, wie angehaucht, das Gras umhüllt und man den Herbst als Ahnung in sich fühlt. Oh ja! Man spürt die Jahreszeitenwende - und der Sommerfreuden Ende. Das Jahr, im Umbruch, will sich neu gestalten; nichts auf der Welt läßt sich für immer halten! Doch bald schon werd` ich neu mein Herz verlieren, und Purpurlaub wird bunt die Wälder zieren. Annette Andersen

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft ist still, als atmete man kaum, Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält, Denn heute löst sich von den Zweigen nur, Was von dem milden Strahl der Sonne fällt. Christian Friedrich Hebbel (1813-1963)

Der Herbst ist da

Schnell ziehen Wolken übers Tal! Der Herbst ist da! Schon wieder mal. Ganz übermütig, könnt` man meinen, treiben die Wolken, raufen, weinen! Um lachend dann, sich überschlagend, hoch Watteberge auf sich tragend, voll Düsternis sich aufzutürmen; im wilden Flug dahinzustürmen, um gleich darauf zart zu zerfließen, kurz wieder mal sich zu ergießen, und liebevoll, sich neu verbindend, in ihrem Spiel kein Ende findend, der Sonne auch kurz Platz mal machen - sich mit ihr necken, mit ihr lachen... Vor blauem Grund, weithin zu seh`n... Der Herbst ist da! Wie wunderschön. Annette Andersen