Frauentag
Internationaler Frauentag 2018
Seit über 100 Jahren kämpfen und streiten Frauen am 8. März für ihre Gleichberechtigung und seit über 100 Jahren machen sie an diesem Tag auf Benachteiligungen und Vorurteile aufmerksam. Zum ersten Frauentag 1911 kamen in Dänemark, Österreich, Schweden, der Schweiz, Deutschland und in den USA Frauen zu Demonstrationen und Versammlungen zusammen. Im Mittelpunkt damals stand die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen. Der Erste Weltkrieg bereitete den Veranstaltungen zum Frauentag ein vorläufiges Ende. In den 20er Jahren war der Frauentag durch harte wirtschaftliche Umstände der deutschen Gesellschaft gekennzeichnet, und in den 30er Jahren war es der Kampf gegen den Faschismus, der die Frauen vereinte, bis der Frauentag von Hitler verboten wurde.
In der Bundesrepublik wurde der Frauentag mit der Forderung nach Frieden nach dem Krieg wieder aufgenommen. In den 60er Jahren war das Interesse für den 8. März dann verschwindend gering und erst als die neue Frauenbewegung den 8. März aufs Programm brachte, wurde dem Tag wieder Bedeutung zugemessen.
Laut der herrschenden Ideologie der DDR war der Sozialismus und damit die Gleichberechtigung erreicht. Deshalb war der 8. März als Frauen"kampf"tag nicht mehr nötig, und er wurde dann zum Frauentag ohne Kampf und ohne politischen Inhalt. In den 80er Jahren fingen Frauen in der DDR wieder an sich zusammen zu schließen und gegen die Verhältnisse zu protestieren.
In den 90er Jahren war der 8. März von der Wende und einer Annäherung zwischen den westdeutschen und ostdeutschen Frauenorganisationen geprägt. Auch Proteste gegen den Rassismus in der Gesellschaft waren Thema für Veranstaltungen am 8. März.
Vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er war eine lange ruhige Zeit, aber mit der neuen Frauenbewegung in den 70ern blühte der 8.März wieder auf. In der Emanzenbewegung hatte der 8. März immer noch eine sozialistische Prägung, aber die Politisierung des Privaten bot neue Themen an, wie z.B. Körper, Sexualität u.ä. Im Laufe der 80er und 90er wurde der sozialistische Aspekt geschwächt, und der Tag entwickelte sich zu einem Frauenfesttag, dem sich Frauen mit verschiedenster politischer Einstellung anschließen konnten.
So weit die Geschichte, aber wie sieht die Zukunft aus?
In den 80er Jahren stand die Forderung nach Frieden und Abrüstung im Mittelpunkt. Frauen- und Friedenspolitik wurden verknüpft. Die Frauen-Friedensinitiative fanden auf den Internationalen Frauentagen große Resonanz. Partei- und organisationsübergreifend fordern die Frauen: "Lasst uns Frauenrechte und Frieden organisieren".
Zum Internationalen Frauentag 1980 rief die "Abteilung Frauen" des DGB die Gewerkschafterinnen auf, ihre frauenpolitischen Forderungen öffentlich zu machen. Es entstanden aber innergewerkschaftliche Konflikte, da die Spitzenvertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes den Internationalen Frauentag nicht anerkennen wollten, weil es sich um einen "sozialistischen Kampftag" handele. Die gewerkschaftlich orientierten Frauen liessen sich aber von den Veranstaltungen nicht abhalten, obwohl die DGB-Führung die Teilnahme verboten hatte.
Für den Internationalen Frauentag 1981 wurde dieses Verbot aufgrund des Protests von Gewerkschafterinnen modifiziert. In Einzelfällen wurden gewerkschaftliche Veranstaltungen möglich, allerdings durften keine anderen gesellschaftlichen Frauengruppen außerhalb des DGB teilnehmen.
Schließlich musste der DGB dem Druck der Frauen nachgeben: der Internationale Frauentag wird als Aktionstag für Gewerkschaftsfrauen bestätigt. Der 8. März sollte in der Zukunft dazu dienen, aktuelle Probleme der arbeitenden Frauen zu diskutieren. Die zentrale Veranstaltung 1982, an der auch Alice Schwarzer teilnahm, stand unter dem Motto "Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter".
Beim Internationalen Frauentag 1983 in Hagen wurde gegen die konservative Regierung der CDU/CSU und FDP protestiert, da die Frauen ihre mühsam erkämpften Frauenrechte bedroht sahen.
1984 stand der Internationale Frauentag unter dem Motto "Mehrheit an die Macht - Frauen aufgewacht". Die zentrale Veranstaltung fanden in Köln statt, daneben noch 20 regionale Veranstaltungen. Die Besucherzahlen gingen in die Tausende.
1985 hiessen die Forderungen "Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, Sozialausbau, Beteiligung an der Politik, an Mandaten und Funktionen". Unterstützt wurden die Forderungen der Sozialdemokratinnen durch den Frauenparteitag der CDU. Der Internationale Frauentag wurde wieder ein fester Bestandteil der sozialdemokratischen Frauenarbeit, ja sogar zu einem kulturellen Ereignis.
1986 hiess das Motto zum 75. Geburtstag des Internationalen Frauentags "Wir wollen Brot und Rosen". "Brot" steht für Recht auf Arbeit, gerechte Entlohnung, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, menschengerechte Arbeitsbedingungen, berufliche Entfaltung und Fortentwicklung und eigenständige soziale Sicherung für die Frau. "Rosen" stehen für die Möglichkeit mit Kindern zu leben und berufstätig zu sein, familiengerechte Arbeitszeiten, Befriedigung kultureller Bedürfnisse, menschenwürdige Wohn- und Lebenswelt, gleichberechtigte Teilhabe von Männern an Hausarbeit und Kindererziehung, humane Politikformen, Toleranz und Frieden. Am Internationalen Frauentag 1986 treten 20 Organisationen für die Streichung des §218 (=Einschränkung der legalen Abtreibung) ein. Zum ersten Mal senden alle ARD Rundfunkanstalten zusammen vier Stunden Frauentagsprogramm, mit der Ausnahme von Bayern.
Die Bundesrepublik 1990-2001
Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Unter den frauenbewegten Frauen der DDR war die Wiedervereinigung umstritten, da man Rückschritte für Frauen in der Gesellschaft befürchtete.
Tatsächlich wäre der Einigungsvertrag zwischen beiden Teilen Deutschlands an einer Frauenfrage und -forderung, nämlich am § 218, beinahe gescheitert. Unter der Beibehaltung von zweierlei Recht in Ost und West wurde die Neuregelung des "Abtreibungsparagrafen" bis 1992 ausgesetzt.
Die Vereinigung brachte diverse Spannungen und Problem mit sich und diese spiegelten sich auch im Verhältnis von Feministinnen in Ost und West wider. Nach einer kurzen Phase "euphorischer Schwesterlichkeit" traten schon bald massive Kommunikationsstörungen auf. In der ersten Hälfte der 90er Jahre wurde der Versuch unternommen den 8. März zur Annäherung der Frauenbewegungen in Ost und West zu nutzen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu thematisieren.
1991 hielt die Bürgermeisterin und Senatorin für Arbeit und Frauen, Dr. Christine Bergmann, anläßlich des Frauentages eine Rede im Roten Rathaus in Berlin. Sie betonte die Gemeinsamkeiten der Frauen in Ost und West und plädiert für eine Beibehaltung des Frauentages und neue politische Forderungen.
1994 wurde in ganz Deutschland in der Woche 5.3-8.3 zum ersten Frauenstreik aufgerufen. Ulrike Baureithel schrieb in einem Artikel über 10 Jahre deutsch/deutsche Frauenbewegung für die Wochenzeitung Freitag (29.9.2000): " Wer die damaligen Kongresse und Beratungen im Vorfeld des Frauenstreiks am 8. März 1994 miterlebte, bekam eine Ahnung davon, dass dieser Streik mehr war als der Versuch politischer Gegenwehr. In den vier Nachwendejahren war es zwischen den Schwestern zu erheblichen Irritationen gekommen, und auch die Begegnungen während der Streikvorbereitungen blieben nicht aggressionsfrei. Die geplante Aktion war auch der Versuch, Risse zu kitten und beigebrachte Wunden notdürftig zu entschmerzen, indem frau auf die alles einende Formel »Frau« setzte."
Der Streik richtete sich "Gegen den Abbau von Grundrechten, gegen die zunehmende Armut von Frauen, gegen die Zurückdrängung bereits erreichter Frauenrechte, gegen die Vorbereitungen zu deutscher Kriegsbeteiligung, gegen den Abbau von Sozialleistungen und die Zerstörung der Umwelt."
Einige autonome Feministinnengruppen veranstalteten Spektakuläres z.B fuhren sie mit einem Sonderzug zur Zugspitze, um dort eine Fahne zu hissen mit der Aufschrift: "Das ist der Gipfel". Der Streikaufruf wurde von den verschiedenen Frauenvertretungen in Politik, Gewerkschaften und autonomen Gruppen unterschiedlich aufgegriffen und bewertet.
Gleichzeitig kam es zu verstärkter Ausländerfeindlichkeit in Gesamtdeutschland. Die Solidarität mit den "internationalen" Frauen im eigenen Land und im Zuge der Globalisierung in der ganzen Welt wird in den 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends ein wichtiges Thema am 8.März.
1993 fand im Rathaus Schöneberg/ Berlin am 8.März das erste politische Frauenfrühstück unter dem traditionsreichen Motto " Brot und Rosen" statt, organisiert von einer überfraktionellen Fraueninitiative. Die Tischrede hielt Fahimeh Ilya mit dem Thema "Einwanderinnen und ihr Platz in der Gesellschaft und in der Frauenbewegung".
In den 90er Jahren wurde der Frauentag in den unterschiedlichsten Formen begangen. Mit phantasievollen bis realpolitischen Aktionen wurde der Vielfalt der in der Frauenbewegung vertretenen Organisationen und Gruppierungen Rechnung getragen. Im Folgenden dazu einige Beispiele: Seit 1992 vergab die Stadt München jährlich zum Internationalen Frauentag am 8.März den Anita Augspurg ( einer Vorkämpferin für Frauenwahlrecht und Mädchenbildung) -Preis für "vorbildliche Beiträge zur Gleichberechtigung in München" an eine oder mehrere Fraueninitiativen. 1995 wurde in Berlin ironisch für den Internationalen Frauentag geworben: "Die Eura ist da - endlich sind wir gnadenlos unabhängig, unendlich befreit, unbeschreiblich selbstbestimmt, problemlos glücklich..." Statt des Euros soll zum Internationalen Frauentag das "Frauengeld" eingeführt werden, "die Eura". Statt zur Demonstration zu den altbekannten Themen der früheren Jahre "(gähn)", wird, in Berlin zum "Konsumbummel" eingeladen. In Bayern nutzten 1999 die Grünen den Internationalen Frauentag um 15 Wunschkandidatinnen für die Ruhmeshalle ( diese Halle beherbergt Büsten verdienstvoller Menschen aus Wissenschaft und Kunst ) zu präsentieren. 1997 waren zum ersten Mal zwei Frauen in die Gedenkstätte aufgenommen worden (von insgesamt 91 Büsten) . Am Wochenende 6/7. 3. 1999 wurde in München die Messe 'Woman '99' veranstaltet, eine Infobörse für Frauen.
Am Ende der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends vernetzen sich die Institutionen, Organisationen und Initiativen der Frauenbewegung in verstärktem Maße, begünstigt durch die Möglichkeiten des Internets. Zum 8. März 2000 wurden die deutschen Frauen von Initiativen aus England, Spanien und den USA im Netz zum "Globalstreik" aufgerufen, mit dem Angebot, die Art des Streiks selbst zu bestimmen.
Seitdem orientieren sich die Forderungen in jedem Jahr an der aktuellen politischen Lage des einzelnen Landes. Es geht um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt, verstärkten Kampf gegen Diskriminierung.
Der internationale Frauentag in der DDR
Nach dem Krieg diente der 8.März der sozialistischen Propaganda zur Aufwertung der politisch erwünschten Erwerbstätigkeit von Frauen. Der Internationale Frauentag war kein arbeitsfreier Feiertag wie in der Sowjetunion, wurde aber von 1946 an jedes Jahr feierlich begangen. Am 8.März 1946 wurde die Zeitschrift "Die Frau von heute" gegründet, 1947 wird auf dem Friedensfrauenkongress vom 7.3-9.3. im sowjetische besetzten Teil Berlins der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) als überparteiliche und überregionale Frauenorganisation in Berlin gegründet.
In der DDR entwickelte sich der Frauentag zu einer Art sozialistischem Muttertag. Die Tradition, an diesem Tag für die Rechte der Frau zu kämpfen, stand nicht mehr im Mittelpunkt. Frauen wurden für hervorragende Leistungen von der Regierung der DDR mit Medaillen, Urkunden und Prämien geehrt. In den Betrieben fanden an diesem Ehrentag Festveranstaltungen statt. Bei Kaffee und Kuchen wurden Frauen und Mütter für ihre Leistungen in Betrieb, Familie und Gesellschaft gewürdigt. Auch zu Hause wurde die Frau und Mutter an diesem Tag verwöhnt, wie Christine Wagner in ihrem Artikel "Wir können den Sozialismus nicht nur mit Friseusen aufbauen" (Süddeutsche Zeitung, 6.3.99) beschreibt:
"Schon Tage vor dem 8.März machten die Männer sich auf die Suche nach Blumen, denn die waren in dieser Jahreszeit rar in der Mangelwirtschaft. Am Ehrentag deckten sie freiwillig den Kaffeetisch, weckten erst die Kinder und dann die Angetraute. (...) Die Männer übten sich an diesem Internationalen Frauentag derweil in der Rolle des emanzipierten Hausmanns. Ohne Murren eilten sie sofort nach der Arbeit nach Hause, versorgten die Kinder und griffen zu Schrubber und Wischlappen."
Die Kinder trugen ihren Teil bei, wie aus den Kinderliedern aus der DDR: "Heute ist der 8.März" und "Zum Frauentag" hervorgeht:
Heute ist der 8.März, Frauentag ist heute, unserer Mutti machen wir eine grosse Freude. Ich wasche alle Teller, weil ich schon helfen kann, wir waschen alle Teller, nun schaut euch das mal an (...)
Heute feiern alle Frauen, denn heut ist Frauentag, ich weiss das meine Mutti die Blumen gerne mag. Ich weiss es, ich weiss das sie Blumen gerne mag. Am 8. März da gibt es noch keine Blumen hier. Drum zeichne ich für Mutti die Blumen auf Papier. Ich zeichne, ich zeichne die Blumen auf Papier (...)
Der Bericht der ehemaligen DDR-Bürgerin Marlies Thiede gibt einen sehr guten Einblick in die Rituale und Feierlichkeiten zum Frauentag.
Selmsdorf-Agentur; Karl-Heinz Kniep, Quelle: Goethe Institut

