Was macht ein gutes Foto aus?

Es gibt technisch einwandfreie Fotos, bei denen scheinbar alles stimmt. Oft sind sie ein Versuch, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen. Manchmal scheint diesen Bildern jedoch etwas zu fehlen.

Ein "gutes" Foto vermittelt Emotionen und Stimmungen, die nicht notwendigerweise positiv oder angenehm sein müssen. Nicht immer behagt einem das, was zu sehen ist. Dass ein Foto jeden entzückt, ist nicht wichtig. Natürlich sollen Bilder gefallen, aber in erster Linie müssen sie dem Fotografen etwas geben.

Eine wirklich interessante Aufnahme bleibt im Gedächtnis des Betrachters, egal ob sie technische Mängel wie Unschärfe oder eine Fehlbelichtung aufweist. Für das Gelingen aussagekräftiger Fotos ist auch nicht unbedingt eine umfangreiche und teure Fotoausrüstung erforderlich. Viel wichtiger als der Einsatz teuerster Technik ist das Auge hinter der Kamera, ist die Auseinandersetzung mit dem Motiv.

Ob Sie es glauben oder nicht, einige der hier abgebildeten Fotos habe ich mit einer normalen digitalen Kompaktkamera aufgenommen und nicht mit einer Profikamera. Ich bediene mich je nach Situation sogar sehr bewusst der "einfachen" Kamera. Sie hat für mich einige entscheidende Vorteile, zum Beispiel passt sie jederzeit in mein Handgepäck. Sie ist unauffällig und lässt mich ohne Zusatzobjektiv ganz nah an das Objekt herankommen.

Einem guten Bild sieht man an, ob Sie wirklich da waren

Egal ob Amateur oder Profifotograf: Mal eben, auf die Schnelle ein paar ausgezeichnete Bilder machen, das geht oft gar nicht. Wer aus dem Auto springt, ein Bild knipst und weiterfährt, der kann kaum zu erstklassigen Fotos kommen. So lautet denn auch die in meinen Augen wichtigste fotografische Grundregel: Je mehr man sich mit seinem Motiv auseinander setzt, es von allen möglichen Seiten betrachtet und Geduld für den richtigen Augenblick hat, desto eher wird man mit einem geglückten Foto belohnt.

Das Beste ist, sich erst einmal in aller Ruhe umzuschauen, sich ruhig fünf Minuten hinzusetzen, um die gesamte Situation und alle Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Was gefällt Ihnen? Was möchten Sie gerne fotografieren? Ist es eher der Gesamteindruck oder ein Detail aus diesem Ganzen, das Sie interessiert?

Nehmen wir das kleine weiße Schiff auf der Trave, als Beispiel für die übliche Herangehensweise, um eine gute Perspektive zu finden. Als erstes sollte man das gesamte Umfeld des Schiffes genau betrachten: die Brücke im Hintergrund, das gegenüberliegende Flußufer und die anderen Schiffe auf der Trave. Wenn man näher herangeht, entdeckt man Details wie etwa die Taue, mit denen das Schiff festgemacht ist, oder das Metallgeländer am Ufer, das man allerdings gar nicht im Bild haben will. Eventuell liegt das Schiff im Schatten, obwohl es noch vor einer Minute so schön in der Sonne leuchtete. Vielleicht hat sich nur kurz eine Wolke vor die Sonne geschoben?

Wechseln Sie Ihren Standpunkt. Gehen Sie mal nach links, mal nach rechts. Nehmen Sie Ihre Kamera zu Hilfe und schauen Sie durch den Sucher, egal von welcher Seite. Gehen Sie in die Hocke und halten Sie die Kamera ruhig auch durch die Metallstäbe des Geländers am Traveufer. Welche Perspektive gefällt Ihnen am besten? Von unten, von oben, von links oder rechts? Jetzt noch ein bisschen Geduld und die Menschen im Hintergrund sind genau in dem Teil des Bildes angekommen, in dem Sie sie gerne haben wollen. Wahrscheinlich hat sich jetzt auch die Wolke vor der Sonne wieder verzogen. Erst jetzt lösen Sie die Kamera aus. Machen Sie ruhig mehrere Fotos, auch aus unterschiedlichen Stellungen. Wenn Sie eine Digitalkamera benutzen, brauchen sie keine Materialverschwendung zu befürchten. Vielleicht werden Sie zu Hause in Ihren Bildern noch Details entdecken, die Sie während der Aufnahme nicht bemerkt haben, oder Ihnen gefällt im Nachhinein eine der anderen Perspektiven viel besser. So müssen Sie sich auch nicht ärgern, falls eine Aufnahme verwackelt oder unscharf sein sollte.

Mein Tipp: Machen Sie bitte keine Bilder "im Vorbeigehen"! Die werden nämlich in der Regel nichts. Nehmen Sie sich etwas Zeit. Gehen Sie ruhig in die Knie oder legen Sie sich auf den Boden, wenn sich so die schönste Perspektive ergibt. Sie werden sehen – es lohnt sich.

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