Wie werde ich Schöffe?


Wenn Sie sich als Schöffe bewerben möchten, müssen Sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und sollten über persönliche Eigenschaften verfügen, die Sie zum Schöffenamt befähigen.

Darüber hinaus gibt es auch Gründe, die eine Bewerbung ausschließen.

Gesetzliche Voraussetzungen gemäß §§ 31, 32 Gerichtsverfahrensgesetz

  • Sie müssen die deutsche Staatsangehörigkeit, im Sinne des Art. 116 I Grundgesetz besitzen.
  • Sie dürfen nicht infolge Richterspruchs die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter verloren haben.
  • Sie dürfen nicht wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worden sein.
  • Gegen Sie darf kein Ermittlungsverfahren wegen einer Tat schweben, die den Verlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter zur Folge haben kann.

Zum Schöffenamt sollen nicht berufen werden:

  • Personen, die bei Beginn der Amtsperiode das fünfundzwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben würden.
  • Personen, die das siebzigste Lebensjahr vollendet haben oder es bis zum Beginn der Amtsperiode vollendet haben würden.
  • Personen, die zur Zeit der Aufstellung der Vorschlagsliste nicht in der Gemeinde wohnen.
  • Personen, die aus gesundheitlichen Gründen zu dem Amt nicht geeignet sind.
  • Personen, die in Vermögensverfall geraten sind.

Persönliche Voraussetzungen

Wenn Sie das Amt eines Schöffen/ einer Schöffin ausüben möchten, sollten Sie u. a. über folgende Eigenschaften verfügen:

  • Logisches Denkvermögen und Intuition

Verschiedene Zeugenaussagen müssen miteinander und mit der Einlassung des Angeklagten sowie mit anderen Beweismitteln verglichen und auf ihre Stimmigkeit geprüft werden. Neben der Fähigkeit zu logischem Denken kommt es auch darauf an, welches Gefühl der Schöffe für die Wahrscheinlichkeit einer Aussage entwickelt.

  • Verantwortungsbewusstsein

Das Gericht ist dazu berufen, den Straftäter zu bessern, die Gemeinschaft zu schützen und dem bis zum Urteil als unschuldig geltenden Angeklagten ein faires Verfahren zu garantieren.

  • Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis

Schöffen müssen beurteilen können, ob ein Zeuge oder ein Angeklagter lügt, die Wahrheit sagt oder sich einfach nur irrt. Dazu müssen sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung Menschen einschätzen und beurteilen sowie erkennen können, ob die Aussage den allgemeinen Erfahrungen entspricht.

  • Soziales Verständnis:

Der Schöffe muss die Tat in ihrer gesellschaftlichen und persönlichen Dimension beurteilen können. Er muss die Motive des Handelns des Täters erfassen und in dessen bisherigen Lebensweg einordnen können.

  • Vorurteilsfreiheit

Der Schöffe begegnet in der Hauptverhandlung Situationen, in die er in seinem täglichen Leben selten geraten wird. Er wird mit Gewalttaten und Verbrechen, aber auch mit Angriffen der Verteidigung auf Zeugen oder Vorverurteilungen in den Medien konfrontiert. Dabei darf der Schöffe seine Neutralität und Unparteilichkeit nie verlieren.

  • Standfestigkeit und Flexibilität im Vertreten der eigenen Meinung

Das Urteil kommt durch den Austausch von Meinungen zustande. Wie ist eine Zeugenaussage zu bewerten? Welche Strafe ist angemessen? Bei der Beratung dieser Fragen muss der Schöffe seine Auffassung vertreten können, ohne rechthaberisch zu sein, und er muss andere Meinungen akzeptieren und annehmen können.