18.11.09 06:18 Alter: 296 Tage

Königin der Instrumente jetzt in bester Stimmung

Von: Kniep/LN

Orgelbauer Hans-Ulrich Moritzstimmt die 140 Jahre alte „Königin der Instrumente“. Im Innern stehen 723Pfeifen. „Das Instrument ist original erhalten –das ist etwas Besonderes“, sagt Moritz.

Experten haben die Selmsdorfer Orgel restauriert und aufgehübscht. Nun klingt sie wieder wie 1869 und erstrahlt in neuem Glanz.

Landesweit haben „Königinnen der Instrumente“ viele Moden mitgemacht. Aber die Selmsdorfer ist seit nunmehr 140 Jahren ganz die alte geblieben. „Die Orgel ist original erhalten“, sagt Hans-Ulrich Moritz. Der 52-jährige Orgelbauer muss es wissen, schließlich hat er der Selmsdorfer „Königin“ bis in ihr tiefstes Innere geschaut – und erkannt, dass die üblichen Umbaumoden und Verschlimmbesserungen an ihr vorübergegangen sind.

Der Zahn der Zeit verschonte die alte Dame hingegen nicht. „Bei einigen Pfeifen hat der Holzwurm große Schäden angerichtet“, sagt Moritz, der seit 1974 für das 1857 gegründete Orgelbauunternehmen Wilhelm Sauer mit Sitz im brandenburgischen Müllrose arbeitet. Er und seine Kollegen restaurierten bereits die Orgel im Berliner Dom und Instrumente in Frankreich, Dänemark, Russland, Polen und der Ukraine.

In Selmsdorf stellten sie Wasserschäden fest. „Das war eine Überraschung“, sagt Moritz. Als er die ersten gereinigten Pfeifen wieder in die Orgel stellte und ausprobierte, hörte er: Benachbarte Pfeifen klingen mit. Diagnose des Experten: Luft strömt unterhalb der Pfeifen in Risse, die durch eingedrungenes Nass entstanden sein müssen. Die Orgelbauer haben die Schäden repariert.

Richtig jugendlich sieht die alte Dame nun aus. Die Orgelbauer haben ihr ein glänzendes Gesicht, sprich neue Prospektpfeifen, verpasst. Das machten sie, damit die „Königin der Instrumente“ wieder so klingt wie am ersten Tag. Sie entfernten die Zinkpfeifen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und bauten Zinnpfeifen ein, wie sie 1869 üblich waren. 36 280 Euro hat die Restaurierung unterm Strich gekostet. Ein Drittel zahlt nach Auskunft des Gemeindediakons Torsten Woest das Amt für Kultur- und Denkmalpflege, ein Drittel die Landeskirche, ein Drittel die Kirchgemeinde. Sie erhielt 10 000 Euro von der politischen Gemeinde Selmsdorf. Aus Sicht des Bürgermeisters ist eine Unterstützung der Kirchgemeinde selbstverständlich. „Es ist eine Gemeinschaft, die zu Selmsdorf gehört“, sagt Detlef Hitzigrat (parteilos). Die Restaurierung komme der Allgemeinheit zugute. Die Kirchgemeinde wird die „Königin der Instrumente“ am ersten Advent in einem Festgottesdienst neu einweihen. Jedermann darf ihr dann zuhören und sie ansehen. Anfassen allerdings ist nicht erwünscht.