Zeittafel - Chronik


Auf dieser Seite finden Sie eine Zeittafel der deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung sowie eine Chronik von Ereignissen danach an der ehemaligen Grenze bis in die Gegenwart.

1.September 1939 Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen, Beginn des 2.Weltkrieges.
12.September 1944 Londener Protokoll der späteren Siegermächte: Deutschland wird nach dem Ende des Krieges in Besatzungszonen aufgeteilt. Die Grenzen zwischen diesen Zonen decken sich mit Landes- und Provinzialgrenzen des Deutschen Reiches.
8.Mai 1945 Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.
1.Juli 1945 Amerikaner und Engländer ziehen sich vereinbarungsgemäß aus den von ihnen eroberten Gebieten in Ostdeutschland zurück und ziehen gleichzeitig in den Westsektoren Berlins ein. Die Rote Armee besetzt daraufhin Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg vollständig. Erste Grenzkontrollen zwischen den Zonengrenzen.
21.Juni 1948 In den Westzonen wird die Währungsreform durchgeführt.
23.Juni 1948 Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).
24.Juni 1948 - 12.Mai 1949 Berlin-Blockade der Sowjets als Reaktion auf die westliche Währungsreform.
23.Mai 1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland aus den 3 westlichen Besatzungszonen.
7.Oktober 1949 Gründung der Deutschen Demokratischen Republik aus der Sowjetischen Besatzungszone.
20.September 1951 Vereinbarung über den Innerdeutschen Handel ("Abkommen über den Handel zwischen den Währungsgebieten der Deutschen Mark (DM-West) und den Währungsgebieten der Deutschen Mark der Deutschen Notenbank (DM-Ost)").
26.Mai 1952 Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie: Der Ministerrat der DDR ordnet per Gesetz die völlige Abriegelung der innerdeutschen Grenze an. U.a. wird ein "500-Meter-Schutzstreifen" eingerichtet, der - auch von den Anwohnern - nur mit Passierschein betreten werden darf.
Mai / Juni 1952 Aktion Ungeziefer: 11000 Menschen - von den DDR-Behörden als "feindliche, verdächtige und kriminelle Elemente" bezeichnet - werden aus dem innerdeutschen Grenzgebiet zwangsausgesiedelt. Etwa 3000 von ihnen entzogen sich dieser Aktion durch Flucht in den Westen.
Eine ähnliche Aktion wiederholte sich im September 1961 ("Aktion Festigung")
23.Juli 1952 Auflösung der fünf DDR-Länder und Neugliederung des Gebietes in 14 Verwaltungsbezirke
17.Juni 1953 Arbeiterunruhen in der ganzen DDR, ausgelöst durch eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Sowjetische Truppen schlagen den Aufstand blutig nieder, danach kommt es zu einem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen.
9.Mai 1955 Die Bundesrepublik Deutschland wird Mitglied der Nato.
14.Mai 1955 Die Deutsche Demokratische Republik gehört zu den Gründungsmitgliedern des "Warschauer Vertrages".
1958 Chrustschow-Note: Nikita Chrustschow fordert, Westberlin zur "Freien Stadt" zur erklären.
15.Juni 1961 Walter Ulbricht, Staats- und Parteivorsitzender der DDR, auf einer Pressekonferenz: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
13.August 1961 Beginn des Baus der Berliner Mauer durch Pioniere der Nationalen Volksarmee, die von der DDR "Antifaschistischer Schutzwall" genannt wird.
22./24.August 1961 Ida Siekmann erliegt ihren Verletzungen nach ihrem Fenstersprung aus dem Haus Bernauer Str.48. in den Westteil der Stadt. Günter Litfin wird beim Durchschwimmen der Spree von einem Posten der Transportpolizei erschossen. Die beiden sind die ersten Todesopfer an der Grenze in Berlin nach den Absperrmaßnahmen.
Ab September 1961 Verlegung von Bodenminen an der innerdeutschen Grenze.
14.August 1962 Tod des Hauptmanns der DDR-Grenztruppen Rudi Arnstadt, der an der Grenze bei Wiesenfeld von einem BGS-Oberjäger in Notwehr erschossen wurde. Die DDR-Seite verbreitete eine andere Version des Todes von Arnstadt, die bis heute ebenfalls gehandelt wird. Für Arnstadt wird in Wiesenfeld ein Denkmal errichtet. Die nach ihm benannten Straßen und Plätze in der DDR wurden nach der Wende umbenannt (siehe zum Tod von Arnstadt auch den Eintrag vom 15.März 1998).
ab 1963 Passierscheinabkommen in Berlin (Ermöglichung von Verwandtenbesuchen für Westberliner im Ostteil der Stadt zu den hohen Feiertagen)
19.März 1964 Ablösung der "Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie" durch die "Verordnung zum Schutze der Staatsgrenze".
10.September 1964 Rentner aus der DDR dürfen fortan zu Besuch in die Bundesrepublik reisen.
August 1967 Entlang der innerdeutschen Grenze werden insgesamt 2622 Grenzsäulen mit schwarz-rot-goldener Bemalung und Plaketten mit DDR-Staatswappen errichtet.Entlang der innerdeutschen Grenze werden insgesamt 2622 Grenzsäulen mit schwarz-rot-goldener Bemalung und Plaketten mit DDR-Staatswappen errichtet.
11.Juni 196811.Juni 1968 Die DDR führt den Paß- und Visumzwang für Besucher aus dem Westen ein. Außerdem wird der Güterverkehr nach Berlin (West) durch die DDR besteuert und die Autobahngebühren werden erhöht
1971 Ausbau der innerdeutschen Grenze mit den Selbstschußautomaten SM 70
3.September 1971 Das Viermächteabkommen bestätigt die Aufrechterhaltung der Bindungen zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik und garantiert die Sicherheit der Zufahrtswege.
17.Dezember 1971 Unterzeichnung des Transitabkommens zwischen beiden deutschen Staaten. Es sieht eine pauschale Abgeltung der Gebühren im Berlin-Verkehr durch die Bundesrepublik vor (zunächst 234,9 Millionen DM jährlich). Außerdem wird z.B. beim Transitverkehr die Grenzkontrolle durch die DDR stark erleichtert.
26.Mai 1972 Unterzeichnung des Innerdeutschen Verkehrsvertrages
17.Oktober 1972 Bei "dringenden Familienangelegenheiten" werden Besuchsreisen in die Bundesrepublik Deutschland gestattet. Besuchs- und Touristenreisen in die DDR möglich.
21.Dezember 1972 Unterzeichnung des "Vertrages über die Grundlagen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik".
21.Juni 1973 Nach Inkrafttreten des Grundlagenvertrages dürfen Bewohner grenznaher Kreise der Bundesrepublik Tagesreisen in grenznahe Kreise der DDR unternehmen. Gleichzeitig Eröffnung neuer Grenzübergänge, u.a. Bergen/Dumme, Duderstadt/Worbis und Eußenhausen/Meiningen.
Juli 1973 bis November 1978 Protokoll über die Überprüfung, Erneuerung und Ergänzung der Markierung der innerdeutschen Grenze. Beginn der Markierungen am 4.9.1973. Daraufhin kommt es zu zahlreichen Korrekturen des Grenzverlaufs. Setzung neuer Granit- Grenzsteine mit der Aufschrift "DDR". Abschluß mit Unterzeichnung des Protokolls am 29.November 1978.
2.Mai 1974 Einrichtung sogenannter "Ständiger Vertretungen" in Bonn und Ost-Berlin.
30.März 1976 Post- und Fernmeldeabkommen.
30.April 1976 In der Nacht zum 1.Mai 1976 wird der DDR-Regimegegner Michael Gartenschläger (32) aus Hamburg, der fast 10 Jahre in DDR-Gefängnissen verbracht hatte, vor dem Metallgitterzaun im sogenannten "Grenzknick" zwischen Bröthen und Bürgerhof von einem Sonderkommando des Ministeriums für Staatssicherheit erschossen. Er war in einen Hinterhalt geraten, nachdem er dort zum wiederholten Male versuchte, einen Selbstschußautomaten (SM-70) zu demontieren bzw. zu zünden. Die Schützen wurden fast ein Vierteljahrhundert später aus Mangel an Beweisen bzw. wegen einer angenommenen Notwehr freigesprochen.
18.Mai 1978 Die Bayerische Staatskanzlei teilt mit, dass durch VVassersportler ab sofort auf dem Abschnitt der Sächsischen Saale, wo sie die innerdeutsche Grenze bildet, die ganze Flußbreite benutzt werden kann, wenn das Befahren der DDR-Seite unumgänglich ist. Es wurde jedoch empfohlen, den Fluß nur bei Tageslicht zu befahren.
10.November 1978 Vereinbarung über den Autobahnbau von Hamburg nach Berlin, der dann bis 1982 realisiert wird (A 24).
31.Oktober 1979 Vereinbarung über die Pauschalabgeltung von Straßenbenutzungsgebühren der DDR durch die Bundesregierung.
9.Oktober 1980 Der seit 1964 existierende "Mindestumtausch" für Westbesucher wird auf 25 DM pro Tag erhöht (für Erwachsene).
13.Oktober 1980 Geraer Rede Erich Honeckers. Darin fordert er unter anderem eine Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft, die Auflösung der Erfassungsstelle in Salzgitter und an der gemeinsamen Grenze an der Elbe die Flußmitte als Grenzverlauf.
1.Mai 1982 Die DDR legalisiert im "Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik" den Waffeneinsatz gegen "Grenzverletzer".
1983 Milliardenkredit der Bundesrepublik an die DDR, vermittelt durch den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß. Dies führt auch zur Entspannung an der innerdeutschen Grenze, bis 1984 werden die letzten Selbstschußautomaten, bis 1985 die letzten Minen entfernt.
1983 Nato-Doppelbeschluß führt zu einer neuen Eiszeit zwischen den Supermächten.
27.September 1983 Verordnung über Familienzusammenführung und Eheschließung zwischen "Bürgern der DDR und Ausländern".
11.März 1985 Michail Gorbatschow wird Staats-und Parteichef der Sowjetunion.
6.Mai 1986 Unterzeichnung des Kulturabkommens.
7.-11.September 1987 Der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker besucht die Bundesrepublik Deutschland. Bei diesem Besuch werden viele Vereinbarungen unterzeichnet, u.a. zum Umweltschutz sowie zu Wissenschaft und Technik.
14.September 1988 Die Bundesrepublik gesteht der DDR für die Jahre 1990-1999 (!) eine Transitpauschale in Höhe von jährlich 860 Millionen DM zu, nach bisher 500 Millonen DM pro Jahr. Dafür verpflichtet sich die DDR, bis spätestens 1994 (!) einen neuen Grenzübergang für West-Berlin zu eröffnen, der einen schnelleren Zugang der Bewohner des Berliner Südens zur Transitautobahn ermöglichen soll.
15.September 1988 15.September 1988 Im Fortlauf der Verhandlungen vom Vortage wird eine Schnellbahnverbindung zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin über das Gebiet der DDR vereinbart, die über Oebisfelde führen soll. Die Fahrzeit nach Berlin soll sich dann ab 1995 von 4 auf 2 Stunden verkürzen. Auf ein Ausbau der Strecke zwischen Helmstedt über Magdeburg nach Berlin wird verzichtet, da dieser Streckenabschnitt länger ist als die Nordtangente.
18.Januar 1989 Erich Honecker auf einer Pressekonferenz: "Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt worden sind."
6.Februar 1989 Chris Gueffroy und Christian Gaudian versuchen die Sperranlagen zwischen Berlin-Treptow und Berlin-Neukölln zu überwinden. Beide werden - nachdem sie gestellt wurden - von Grenzsoldaten niedergeschossen, dabei wird Chris (20 Jahre) tödlich und Christian leicht verletzt. Es sind die letzten Schüsse an der Berliner Mauer.
8.März 1989 Winfried Freudenberg stürzt bei seinem Fluchtversuch mit einem selbstgebauten Ballon (bereits über Westberliner Gebiet) ab. Er ist somit das letzte Opfer der Berliner Mauer.
7.Mai 1989 Kommunalwahlen in der DDR. Die später hier nachgewiesenen Wahlfälschungen werden zu einem Mit-Auslöser der friedlichen Revolution ab dem Sommer 1989.
Mai 1989 Abbau des Stacheldrahtes an der ungarisch-östereichischen Grenze.
30.Juni 1989 An der innerdeutschen Grenze stehen 1.265 km Metallgitterzaun, 29,1 km Betonsperrmauer, 71,5 km Hundelaufanlagen sowie 578 Betonbeobachtungstürme. Der Kolonnenweg hat eine Länge von 1339 km.
7.Oktober 1989 40. Jahrestag der DDR, begleitet von Unruhen und Protesten.
9.Oktober 1989 Bis dahin grüßte Montagsdemonstration in Leipzig mit 100.000 Teilnehmenden.
18.Oktober 1989 Ablösung Erich Honeckers
30.Oktober 1989 Frank M. ertrinkt bei dem Versuch, die Oder in Richtung Polen zu durchschwimmen. Er ist damit das letzte Todesopfer des DDR-Grenzregimes.
9.November 1989 Friedlich erzwungene Öffnung aller Grenzübergänge in Berlin und an der innerdeutschen Grenze nach einem Pressekonferenz-Versprecher von Politbüromitglied Günther Schabowski. Schon am nächsten Tag beginnt der Abriß der ersten Grenzanlagen zwecks Öffnung neuer Grenzübergänge
18.März 1990 Erste freie Wahlen in der DDR enden mit einem Sieg der "Allianz für Deutschland" unter Lothar de Maiziére. Die neue Koalitionsregierung in Ostberlin forcierte den vollständigen Abbau der Grenzanlagen, der "bis zum 31.Dezember 1991 erfolgen" sollte.
2.April 1990 Befehl zur Bildung eines "DDR-Grenzschutzes".
30.Juni 1990 Vor Beginn der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion am 1.Juli enden nach genau 45 Jahren alle Grenzkontrollen in Berlin und an der innerdeutschen Grenze.
1.August 1990 Beschluß zum Verkauf der DDR-Grenzanlagen (z.B. Unterkünfte, Zäune, GÜST-Einrichtungen).
21.September 1990 Verteidigungsminister Rainer Eppelmann unterzeichnet den Befehl 49/90 zur Auflösung der Grenztruppen der DDR.
3.Oktober 1990 Die fünf neuen Länder der DDR und Berlin-Ost treten dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Damit ist die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen, die DDR verschwindet aus der Gegenwart und wird Geschichte.
Nach der Wiedervereinigung betrieben zunächst 4800 ehemalige DDR-Grenzsoldaten mit eigenem Gerät und mit Bundeswehrmaterial den weiteren Rückbau der Grenzanlagen.
12.November 1992 Beginn des Prozesses gegen die Mitglieder des sogenannten "Nationalen Verteidigungsrates" in Berlin, u.a. Erich Honecker.
12.Dezember 1995 Offizieller Abschluß der Minennachsuche und -räumung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze
15.März 1998 Der ehemalige BGS-Oberjäger Hans Plüschke wird bei Neuwirtshaus, wenige Kilometer entfernt von der Stelle bei Wiesenfeld in der Rhön, wo er in Notwehr den Hauptmann der DDR-Grenztruppen Rudi Arnstadt 1962 erschossen hat (siehe auch den Eintrag für den 14.August 1962), mit einem Kopfschuß ermordet. Bis heute ist diese Tat nicht aufgeklärt worden. Ein Racheakt wird vermutet, kann aber nicht bewiesen werden.
Mai 2001 Minenfund an der bayrisch-thüringischen Grenze bei Neuhaus-Schierschnitz. Von ehemals 1,3 Millionen verlegten Minen sind bis heute 33000 noch nicht wiedergefunden worden, darunter 15000 Plastikminen (z.B. vom Typ PPM-2), deren Lebensdauer bei 80 (!) Jahren liegt.
Mai 2002 Michail Gorbatschow und Bundesumweltminister Jürgen Trittin eröffnen auf dem ehemaligen Todesstreifen in Thüringen ein Naturdenkmal in Verbindung mit dem "Grünen Band".
15.Juli 2003 Die Bundesregierung bietet ihre Grüne-Band-Flächen den fünf neuen Bundesländern zur Übertragung an. Damit wird eine weitere Privatisierung des ehemaligen Grenzstreifens gestoppt und der Fortbestand des Grünen Bandes gesichert.
18.Dezember 2003 Egon Krenz wird als letzter hoher ehem. DDR-Politiker nach Verbüßung von 2/3 seiner sechsjährigen Haftstrafe auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er war wegen vier konkreten Todesfällen an der Berliner Mauer verurteilt worden.
11.Mai 2004 Die Regierungen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt besiegeln in Wernigerode die Fusion der beiden bisher getrennt verwalteten Nationalparks Harz (West) und Oberharz (Ost) zum "Nationalpark Harz". Sitz der gemeinsamen Parkverwaltung wird Wernigerode. Die Presse betitelt dieses Ereignis mit der Überschrift: "Im Harz fallen die letzten Grenzen".
16.Juli 2004 Rund 100 Vertreter aus Ministerien, des Staatlichen Baumanagements und des Militärs kommen auf dem Berg Stöberhai bei Bad Lauterberg im Harz zusammen, um ein letztes Mal den 75 m hohen Horchposten zu besteigen und sich von dem Relikt des Kalten Krieges zu verabschieden. Bis 1990 hatte die Bundeswehr und die französische Armee die Anlage betrieben, um den Funkverkehr hinter dem "Eisernen Vorhang" abzuhören. Die Beseitigung des Turmes und der Nebengebäude, die in der touristenarmen Zeit im November stattfinden soll, wird etwa 3,5 Millionen Euro kosten. Für eine weitere Nutzung hatte es weder staatliche noch private Interessenten gegeben.
21.August 2004 43 Jahre nach dem Bau der Mauer zwischen beiden deutschen Staaten tauchen immer noch bisher unbekannt gebliebene Namen von Toten in den Niederungen der Archive und in Akten auf, die an den Grenzen der DDR ums Leben kamen. Die "Arbeitsgemeinschaft 13. August" recherchierte die Namen weiterer 57 Opfer. Damit stieg die Zahl der Toten an Mauer und Todesstreifen auf 1065.
8.Oktober 2004 Metamorphose: Die ehemalige DDR-Grenzübergangsstelle Hirschberg an der A9 Berlin-München wird als BAB-Raststätte Hirschberg-Ost beim Wettbewerb um das "Goldene R" zur besten Rastanlage Deutschlands 2003-2004 gewählt.
17.Juni 2005 Die ehemaligen Staatsmänner Michail Gorbatschow, Helmut Kohl und George Bush senior werden an der einstigen innerdeutschen Grenze für ihren Beitrag zur deutschen und europäischen Einheit mit dem "Point-Alpha-Preis" geehrt. Die in diesem Jahr erstmals verliehene Auszeichnung des "Kuratoriums Deutsche Einheit" ist mit jeweils 50.000 Euro dotiert. Point Alpha bei Bad Salzungen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze war die markanteste Beobachtungsstation der US-Streitkräfte in Europa, da von dort im Ernstfall ein Angriff der Truppen des Warschauer Paktes befürchtet wurde. Heute befindet sich auf dem Areal eine Mahn- und Gedenkstätte.
1.Juli 2005 Der Bundesgrenzschutz heißt ab heute Bundespolizei.
5.Juli 2005 Das private Mauermahnmal der Initiatorin Alexandra Hildebrand am ehemaligen Kontrollpunkt "Checkpoint Charlie" in Berlin wird wegen Ablauf eines Pachtvertrages unter dem Protest vieler Verfolgter des SED-Regimes abgetragen. Der PDS-Kultursenator Berlins begrüßt dagegen die Räumungsaktion.
3.Oktober 2006 Zur Erinnerung an DDR-Zwangsumsiedler wird in Vockfey (Amt Neuhaus, Kreis Lüneburg) eine Gedenkstätte im Rahmen einer Feier ihrer Bestimmung übergeben. Im Elbe-Dorf Vockfey waren nach 1961 13 große Bauernhöfe abgerissen worden und die Trümmer in einer Grube versenkt worden. Überreste abgerissener Gebäude wurden vor zwei Jahren bei Deicharbeiten entdeckt und auf Initiative von Bürgern geborgen. Eine aus diesen Steinen errichtete "Denkpyramide" und Schautafeln sollen an die Zwangsumsiedlungen erinnern.
12.August 2007 In der Stasiunterlagenbehörde Magdeburg wird bekannt gegeben, daß ein bis dahin unbekannter Schießbefehl des DDR-Grenzregimes gefunden wurde. Dies erweist sich später als Fehler, da dieser Befehl schon in der Birthler-Behörde bekannt war.
20.September 2007 Die Akten der ehemaligen Erfassungsstelle Salzgitter werden von Braunschweig ins Bundesarchiv nach Koblenz verbracht.
21.Dezember 2007 Die Grenzkontrollen zwischen den alten und neun neuen EU-Staaten fallen. Damit verschwindet auch die letzte Barriere zu den meisten ehemaligen Ostblockstaaten, die der EU beigetreten sind.
14.Januar 2008 Die Stadt Braunlage erwägt den Bau einer rund 2500 Meter langen alpinen Abfahrt-Skipiste vom Harzer Wurmberg in Niedersachsen in Richtung Schierke in Sachsen-Anhalt quer über den ehemaligen Grenzstreifen.
26.Januar 2008 Die niedersächsische Landesregierung plant ein Museum im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen, das die Geschichte von Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedlern dokumentieren soll. Symbolträchtige Bauwerke wie die alten Baracken, die evangelische Holzkirche, die Friedlandglocke oder das Heimkehrer-Denkmal könnten Bestandteile der Gedenkstätte werden. Die Eröffnung ist für 2011 vorgesehen. Wegen der stark zurückgegangenen Aussiedlerzahlen (1989: 400.000; 2007: 6000) aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion denkt die niedersächsische FDP über eine Schließung des Lagers nach. Die CDU dagegen will das Lager noch stärker für Integrationsaufgaben nutzen.
26.März 2008 Der Oldenburger Politologe Stefan Appelius teilt der Presse mit, daß die DDR-Botschaft in Sofia bis zur Wende für DDR-Flüchtlinge, die an der bulgarisch-türkischen bzw. bulgarisch-griechischen Grenze erschossen wurden, den Todesschützen eine Kopfprämie von umgerechnet ca. 1000 DM gezahlt habe. Die Grundlagen für Appelius´Aussagen werden in seinem Forschungsprojekt "Tod in Bulgarien" genannt.
1.Oktober 2008 Die Gemeinde Probstzella in Thüringen beginnt mit dem Abriß der seit 18 Jahren leer stehenden und verfallenden ehemaligen Eisenbahn-Grenzübergangsstelle auf dem Gelände des Bahnhofs Probstzella (Eisenbahnstrecke Nürnberg-Berlin). Dem Abriß voran ging eine lebhafte Debatte über den Umgang mit der Immobilie. Pläne, die "GÜST", die zwischen 1978-1990 von zahllosen Reisenden passiert wurde, als Gedenkstätte bzw. Museum zu erhalten, scheiterten an den zu erwartenden Kosten von 300.000 €. Der Abriss dagegen solle "nur" 144.000 € kosten.
20. August 2009 Im niedersächsischen Gartow bei Gorleben nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern wird ein 324 Meter hoher Funkturm gesprengt. Der Sendemast, der nach Angaben der Deutschen Telekom zu den höchsten Bauwerken Deutschlands zählte, machte zu DDR-Zeiten eine Telefonverbindung zwischen Westberlin und der Bundesrepublik Deutschland möglich. Außerdem konnten die DDR-Bürger über den Funkmast «Gartow 1» die westdeutschen Fernsehprogramme ZDF und NDR empfangen. Auch nach der Wende wurde der Mast noch genutzt, mit der Abschaltung des analogen terrestrischen Fernsehens Ende 2008 war jedoch die letzte Nutzung des Turms entfallen. Deshalb wurde von der Telekom seine Sprenung beschlossen. Zusammen mit dem Funkmast «Gartow 2» hat der 1963 in Betrieb genommene Turm mehr als zwei Drittel aller Ferngespräche zwischen Westberlin und der Bundesrepublik übertragen. Die über 130 Kilometer umfassende Verbindung zwischen Gartow und Berlin war eine weltweit einmalige Funkbrücke. Die Gegenstelle in Berlin-Frohnau wurde im Februar gesprengt.
März 2010 Die ehemalige westliche Grenzkontrollstelle Lauenburg an der B 5, die zwischen 1992 und 2007 als Asylbewerberheim genutzt wurde, wird für 9000 € an eine Berliner Privatinvestorin versteigert. Der Zustand der Immobilie ist trostlos - deshalb und wegen hoher Bauauflagen der niedrige Kaufpreis.
12. April 2010 Die Deutsche Bahn verkauft die Dömitzer Eisenbahnbrücke in der Elbtalaue an eine niederländische Immobilienfirma für 305.000 €. Die Holländer wollen das im 2.Weltkrieg zerstörte Bauwerk, das jahrzehntelang Sinnbild für die Teilung Deutschlands war, als Denkmal erhalten.
4. August 2010 Das Niedersächsische Innenministerium gibt bekannt, daß das Grenzdurchgangslager Friedland zukünftig vor allem der Aufnahme von Asylbewerbern dienen soll. Hauptgrund dafür ist der Rückgang der Spätaussiedlerzahlen, der zu einer immer geringeren Auslastung der Lagerkapazitäten führt.
5.Januar 2011 Das Niedersächsische Innenministerium gibt die Meldung heraus, daß die im August angekündigte Aufnahme der ersten Asylbewerber im Grenzdurchgangslager Friedland in den nächsten Tagen bevorsteht.
26.Mai 2012 60.Jahrestag der Schließung der innerdeutschen Grenze durch die DDR. Mit einer Gedenkveranstaltung am Grenzdenkmal Hötensleben in Sachsen-Anhalt wird heute an die Opfer des Grenzregimes und von Zwangsumsiedlungen (u.a. "Aktion Ungeziefer") erinnert.
Juni 2012 Die ehemalige Jacobi-Ziegelei in Zwinge, bis 1989 direkt hinter der Mauer gelegen und auch ein Symbol der deutschen Teilung, wird zugunsten eines Solarparks abgerissen. Nur ein denkmalgeschützter kleiner Teil im hinteren Bereich ist stehen geblieben.
7.Juli 2013 Eine 29-Jährige Joggerin wird auf dem Kolonnenweg in den Brandenbaumer Tannen (Palinger Heide) nahe Lübeck von einem 46-jährigen, vorbestraften Mann ermordet. Der Täter wird kurz danach gefasst und am 22.Januar 2014 vom Landgericht Schwerin zu lebenslanger Haft verurteilt.
1.Oktober 2013 Schweres Grubenunglück im Kalibergwerk Unterbreizbach bei Vacha in Thüringen unweit der ehemaligen Grenze. 3 Bergleute sterben.
21.Januar 2014 Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn mit dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzübergang wird für mehr als drei Millionen Euro saniert. Das Land Sachsen-Anhalt und der Bund stellen nach Angaben des Direktors der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, Kai Langer, allein 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.
30.Januar 2014 Die Heidelberger Rhein-Neckarzeitung berichtet, daß die Nachkommen böhmischer Rothirsche noch heute nicht die tschechisch-bayerische Grenze überschreiten. Das hätten tschechische Forscher mit Peilsendern festgestellt: "Die Hirsche auf der tschechischen Seite des Böhmerwaldes wandern genau bis zu der Stelle, wo früher Stacheldraht den Sperrbereich vor der Staatsgrenze markierte."

Quellen:

- Filmer/Schwan, Opfer der Mauer

- Hermann, Die Deutsch-Deutsche Grenze

- Nobel, Mitten durch Deutschland

- Ritter/Lapp, Die Grenze

- DER SPIEGEL (Ausgaben 31 und 32/ 2001, 21/2004)

- Nordwest-Zeitung, Oldenburg (div. Ausgaben)

- Aktionärsbrief "Das Grüne Band" des BUND

- Frankenpost, Hof

- Frankfurter Allgemeine Zeitung

- www. heute.de

- Steffens/Ollrogge/Kubanek, Lebensjahre im Schatten der deutschen Grenze