Streuobstwiesen


StreuobstwiesenStreuobstwiese


Wer kennt ihn nicht, den prachtvollen Anblick blühender Obstbäume im Frühling oder das üppige Farbenspiel zur Herbstzeit?!
Streuobstwiesen prägen auf eindrucksvolle Weise unser Landschaftsbild und sorgen dafür, dass erholsame Spaziergänge im Wandel der Jahreszeiten immer wieder neue Erlebnisse bieten.

Was sind typische Streuobstweisen?
Streuobstwiesen sind Ansammlungen von hochstämmigen Obstbäumen in der freien Landschaft. Wenn sie aus mehr als 10 Obstbäumen bestehen, stehen sie unter dem besonderen Schutz des Naturschutzgesetzes M-V.

Streuobstwiesen und Artenschutz
Seit langem ist der hohe ökologische Wert von Streuobstwiesen bekannt. Insbesondere zahlreiche heimische Tierarten, darunter auch viele seltene Arten, sind hier beheimatet (z.B. Steinkauz, Wendehals, viele Insekten, manchmal auch Fledermäuse).

Streuobstwiesen als Selmsdorfer Kultur
Auch kulturhistorisch sind die Streuobstwiesen, als Ursprung des beliebten Apfelmost und Apfelweins von Bedeutung und weltberühmt.

Gefährdungen für Streuobstwiesen
Leider schwinden Streuobstwiesen seit vielen Jahren immer mehr. Die Ursachen dafür liegen z.B. in Siedlungserweiterungen, im Rückgang der wirtschaftlichen Bedeutung des Obstanbaus und demzufolge mangelndem Interesse an Pflege und Nachpflanzung.

Streuobst: Planung, Pflanzung und Pflege

Planung von neuen Streuobstanlagen
Bei Neuanlagen ist der Standort sorgfältig auszuwählen: Magerrasen oder Standorte die ausgehagert werden, um eine artenreiche Flora zu fördern, verfügen über wenig Nährstoffe im Boden. Für die frisch gepflanzten Obstbäume bedeutet dies, dass sie hungern und nicht weiter wachsen. Eine vorzeitige Vergreisung der Jungbäume bereits im 2. oder 3. Standjahr tritt ein. Dessen Umwandlung auch nur schlecht oder gar nicht mehr möglich ist. Werden auf mageren und trockenen Standorten Hochstammobstbäume gepflanzt, erfordert dies eine gute Jungbaumpflege in Form von Düngung und Ausschaltung konkurrierender Gräser und Kräuter.

Bei Böden mit Staunässe haben Hochstammobstbäume erhebliche Wuchsprobleme: Staunasse Böden sind von daher für den Streuobstanbau ungeeignet. Die Bewirtschaftung der Anlage wird durch gut zugängliche Flächen mit breiten Fahrgassen für Schlepper erleichtert. Dabei hat sich eine Reihenpflanzung der Bäume bewährt. Aus praktischer Erfahrung wird ein Reihenabstand von 13 bis 15 Meter empfohlen. Für eine leichtere Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichen Geräten sind Bäume mit Stammhöhen ab 1,8o Meter und mehr erforderlich.

Die Gesundheit der Bäume wird durch einen ausreichenden Abstand gefördert: Jungbäume sollten so gepflanzt werden, dass die Kronen sich im Ertragsstadium nicht berühren. Zu bedenken sind auch die unterschiedlichen Wuchseigenschaften der verschiedenen Obstarten, die unterschiedliche Größen entwickeln und somit verschiedene Platzansprüche besitzen. Durch einen ausreichend weiten Abstand wird ein schnelles Abtrocknen der Bäume ermöglicht, wodurch ein Pilzbefall erschwert wird. Für die Gesundheit der Anlage ist es weiterhin wichtig, dass Sorten mit geringer Anfälligkeit oder mit Resistenzen verwendet werden. Bei größeren Anlagen können Sorten mit gleichem Reifezeitpunk ein maschinelles Ernten ermöglichen. Durch den Einsatz von Maschinen und Geräten wird der Streuobstanbau, auch im Bereich der Ernte, wieder attraktiver.


Qualität der Pflanzware
Bei Obsthochstämmen handelt es sich um Obstbäume, die eine Mindeststammhöhe von 1,8o Meter aufweisen, das bedeutet: von der Veredlungsstelle bis zur ersten Verzweigung der Äste. Dies erleichtert eine spätere Unterpflege der Bestände. Bei einer Neuanpflanzung sollten nur solche Obstbäume Verwendung finden, die tatsächlich auch den Hochstammcharakter aufweisen. Hochstämme der Kern- und Steinobstanlagen werden als mehrjährige Veredelungen gehandelt, die auf dem Wege der Okulation oder Kopulation veredelt wurden.

Aus der Okulation hervorgegangene Bäume entwickeln schneller breitere Kronen mit einem günstigeren, also größeren Astabgangswinkel, der frühere Erträge mit weniger korrigierenden Schnitteingriffen und darum gesündere Kronen ermöglicht: Die Triebe, aus denen sich die Kronenleitäste entwickeln, sollten mindestens eine Länge von 3o cm aufweisen. Der Stamm darf keine größeren Rindenverletzungen haben. Kleine überwallte Schnittflächen sind dagegen normal. Sie entstehen durch das Aufputzen ursprünglich eingekürzter Seitentriebe.

Größere Schnittwunden in Verbindung mit einer Stammverkrümmung deuten jedoch auf das Aufputzen einer ursprünglich tiefer angeschnittenen Krone hin: Diese Pflanzware sollte abgelehnt werden. Das wichtigste Qualitätsmerkmal für ein erfolgreiches Weiterwachsen ist der Wurzelkörper. Er sollte möglichst gut verzweigt und gut mit feinen Saugwurzeln besetzt sein. Es ist normal, dass die Spitzen der stärkeren Pfahl- und Seitenwurzeln beim Rodevorgang in der Baumschule abgestochen werden. Wichtig ist jedoch der Erhalt der Funktionsfähigkeit des gesamten verbliebenen Wurzelkörpers mit Pfahl-, Seiten- und insbesondere den feinen Saugwurzeln. Die Wurzeln dürfen niemals austrocknen.


Transport und Lagerung
Die Wurzeln müssen bei Transport und kurzfristiger Lagerung immer feucht gehalten und durch Abdecken gegen Austrocknung durch Sonne und Wind geschützt werden: Eine sichere Zwischenlagerung von Gehölzen kann nur durch das Einschlagen in feuchte Erde erfolgen. Hierbei muß gewährleistet sein, dass alle Wurzelteile von feuchter Erde umgeben sind. Zu diesem Zweck sind die Verschnürungen gebündelter Bäume zu lösen, damit die Bäume einzeln bzw. schichtweise eingeschlagen werden können.


Pflanzvorbereitung
Die Nährstoffansprüche von Streuobstbäumen sind im Vergleich zu anderen Kulturen gering: Nur auf extrem nährstoffarmen Standorten [etwa Sand] und bei erkennbarem Kümmerwuchs von Gehölzen sind Nährstoffanalysen im Wurzelhorizont bis 4o cm angebracht, um die spätere Bodenpflege danach auszurichten. Frisch gepflanzte Bäume erreichen ihr optimales Wurzelwachstum nur in einem gut durchlüfteten Boden. Pflugsohlen und andere Bodenverdichtungen müssen daher vor der Pflanzung aufgebrochen werden. Dies kann bei Reihenpflanzung und bei trockenem Boden mit einem von einem Traktor gezogenen Untergrundlockerer erfolgen. Bei Einzelbaumpflanzung muss eine Pflanzgrube gegraben werden, die um ein Vielfaches größer als der Wurzelkörper des zu pflanzenden Baumes sein sollte, damit die Bäume im lockeren Erdreich gut anwachsen können.


Pflanztermin
Herbstpflanzung führt zu besseren Anwachsergebnissen als Frühjahrspflanzung: Bei Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes findet auch im Winter ein Wurzelwachstum statt. Ebenso gewährleistet eine frühe Pflanzung einen besseren Bodenschluss um den Wurzelkörper. Solange der Boden nicht gefroren ist und keine Staunässe herrscht, kann im Verlauf des gesamten Winters gepflanzt werden. Viele Baumausfälle sind auf eine Pflanzung im späten Frühjahr mit anschließenden vorsommerlich hohen Temperaturen und der dadurch bedingten Trockenheit zurückzuführen.


Pflanzung
Frisch gepflanzte Hochstammbäume benötigen, da sie noch nicht fest im Boden verwurzelt sind, einen Baumpfahl: Dieser muss vor der Pflanzung 5o cm tief in den Boden eingeschlagen werden, so dass bei Hochstämmen Pflanzpfähle von 25o cm mit einem Durchmesser von 5 bis 6 cm erforderlich werden. Der Pflanzpfahl sollte auf der Seite der Hauptwindrichtung, in der Regel auf der Westseite des Baumes, stehen, damit keine Scheuerstellen entstehen. Der Baum wird mit einer achtförmigen Schlinge am Pfahl festgebunden. Nach erfolgter Pflanzung tritt man die Erde um den Stamm herum zur Verbesserung des Bodenabschlusses leicht an.

Das vielgenannte Einschlämmen während der Pflanzung wird nicht empfohlen: Es führt, gar noch in Verbindung mit einem Antreten der Erde, zu einem 'Einbetonieren' der Bäume, was ein gesundes Wurzelwachstum erschwert. Deshalb: nach dem Pflanzen wässern. Zum Schutz vor Wühlmäusen und Mäusen ist die Pflanzung in einen etwa 6o cm breiten und 3o cm tiefen Korb aus kleinmaschigem [Maschenweite höchstens 16 mm] Sechseck-Drahtgeflecht sinnvoll. Der Maschendraht sollte unverzinkten und ohne Plastikummantelung sein, damit er beizeiten verrosten und bei älteren Bäumen keine Wurzeln mehr abwürgen kann.

Der Pflanzschnitt dient der Herstellung eines neuen Wachstumsgleichgewichts zwischen dem durch Rodung gestörten Wurzelkörper und dem oberirdischen Teil des in der Baumschule gerodeten Jungbaumes: Der Rückschnitt richtet sich nach dem Grad der Schädigung des Wurzelkörpers. Je mehr der Wurzelkörper verletzt ist, umso mehr werden die Triebe in der Krone zurückgeschnitten. An den Wurzeln werden verletzte Teile sauber abgeschnitten. Auch sollten überlange Wurzeln zur Verbesserung der Jungwurzelbildung eingekürzt werden. Im Übrigen gilt für ein sicheres Anwachsen der Obstbäume die Regel: 'Wurzelvolumen gleich Kronenvolumen'.

Bei der Krone werden die Seitenäste auf einer Höhe gleichmäßig eingekürzt [Saftwaage], während der Leittrieb [Mitteltrieb] eine Scherenlänge oberhalb der gekürzten Seitentriebe abgeschnitten wird. Besonders steil stehende Seitentriebe im oberen Bereich der Krone sind zu entfernen, da diese zur Konkurrenz zum eigentlichen Leittrieb werden und eine günstige Kronenbildung verhindern. Des Weiteren können bei schlechten Baumqualitäten zur Wiederherstellung eines kräftigen Wachstums stärkere Schnitteingriffe erforderlich werden.


Baumscheibe und Baumschutz
Es hilft dem Baum, wenn das Erdreich der Baumscheibe in der Form einer Mulde mit Gießrand ausgeformt wird: Damit werden Niederschläge aufgefangen, und es ist ein Wässern möglich, falls der Boden austrocknen sollte. Zur Gewährleistung einer möglichst gleich bleibenden Bodenfeuchte und einer niedrig dosierten Nährstoffzufuhr hat sich das Abdecken der Pflanzscheibe mit einer 5 bis 1o cm starken Schicht aus Kompost oder verrottetem Stallmist bewährt. Zum Schutz gegen Wildverbiss muss um den Stamm eine 18o cm hohe Drahthose oder eine Wildschutzspirale angebracht werden. Auf Viehweiden ist ein Schutz gegen Tritt im Bereich der Baumscheibe und Verbis des Baumes unbedingt erforderlich.


Weitere Pflege der Jungbäume
Frisch gepflanzte Jungbäume sind besonders empfindlich gegenüber ungünstigen Standortbedingungen: In den ersten Standjahren sind daher die Pflanzscheiben zur Ausschaltung jeglicher Wasser- und Nährstoffkonkurrenz von Gräsern, Kräutern und Unterwuchs freizuhalten. Ein Großteil der abgestorbenen Jungbäume ist auf die Nichtbeachtung dieses Gesichtspunktes zurückzuführen.

Um das Auftreten von Schadorganismen zu begrenzen, sollte das biologische Gleichgewicht durch die Schaffung von Refugien für Nützlinge wie Hecken, Reisighaufen sowie das Aufhängen von Nistkästen für Insekten fressende Vogelarten oder Wildbienen gefördert werden. Bei starkem Auftreten von Schadorganismen sind Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Besonderes Augenmerk ist auf die natürlichen Feinde der Wühlmäuse zu richten. Diese werden gefördert durch Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel, etwa Mäusebussard, und durch Steinhaufen mit größeren Hohlräumen, zum Beispiel für das Mauswiesel.


Düngeempfehlung für neu gepflanzte Hochstamm-Obstbäume
Neu gepflanzte Streuobstbäume benötigen bis einschließlich des vierten Jahres nach dem Jahr der Pflanzung eine Startdüngung, um durch ein kräftiges Wachstum ein leistungsfähiges Wurzelwerk, einen standfesten Stamm und eine stabile Krone auszubilden: Die Düngung sollte als Vorratsdüngung durch Kompost oder Stallmist auf eine circa 4 bis 5 qm große Baumscheibe gegeben werden. Als Startdüngung wird empfohlen, dass unmittelbar nach der Pflanzung und im dritten Standjahr 25 kg Kompost oder Stallmist pro Baum oder 5 kg/qm Baumscheibe als Vorratsdünger gegeben werden.

Eine flache Einarbeitung erhöht die Wirkung: Um die Verfügbarkeit der Nährstoffe im optimalen Bereich zu halten, ist eine schwach saure Bodenreaktion [pH-Wert circa 6,o bis 6,5] anzustreben. Eine Kalkung kann daher besonders auf leichten Sandböden und sauren Böden in Höhengebieten notwendig sein, um den pH-Wert in den optimalen Bereich anzuheben. Ist der pH-Wert nicht bekannt, ist eine Bodenuntersuchung in einem Bodenlabor erforderlich. Die Kalkung erfolgt im Bereich der Baumscheiben, wobei eine flache Einarbeitung auch hier die Wirkung erhöht.

Ebenso abträglich für die Nährstoffverfügbarkeit wie zu niedrige pH-Werte sind zu hohe pH-Werte: Vor allem Nährstoffe wie Eisen, Zink, Phosphor und Bor sind hier zu nennen. Ist dies der Fall, kann über die Erhöhung des Humusgehaltes mittelfristig der pH-Wert gesenkt werden. Dies wird zum Beispiel durch die Abdeckung der Baumscheibe mit Laub, Grünschnitt, Sägemehl oder Rindenmulch erreicht.