Selmsdorfer Geschichte


Selmsdorfer Geschichte

Die erste Selmsdorfer Chronistin heißt Christiane Woest, kommt aus Selmsdorf und wurde durch die Gemeindevertretung ausgewählt. Die Besetzung des symbolischen Amtes ist für den Zeitraum vom 1. März 2007 bis zum 31. Dezember 2013 vorgesehen. Die Neubesetzungen erfolgen durch Ausschreibung und mit Beschluss der Gemeinde Selmsdorf. Christiane Woest wurde 1974 in Bützow geboren und studierte in Rostock Literatur-, Kunstwissenschaften und Germanistik.


Die Chronistin Christiane Woest betrachtet es als große Chance und Herausforderung, nach Ihrem Studium die Aufarbeitung der Selmsdorfer Chronik in Angriff nehmen zu können. Die Fertigstellung des Gesamtwerkes ist für Ende Dezember 2013 vorgesehen.

Für die Aufarbeitung der Selmsdorfer Chronik benötigen wir ihre Mithilfe. Sollten sie Interesse für die doch reizvolle und ehrenamtliche Tätigkeit aufbringen wollen, bitten wir um ihre Mitteilung.

Ihr Ansprechpartner ist Karl-Heinz Kniep. Telefon: 038823 251-0, E-Mail:
Opens window for sending emailredaktion(at)selmsdorf-live.de, oder Frau Christiane Woest. Telefon 038823 22024, E-Mail: Opens window for sending emailchristianewoest(at)kirchgemeinde-selmsdorf.de.

Opens external link in new windowInformationen Selmsdorfer Chronik - Stand: 13.11.2014.

Abschluß und Veröffentlichung der Chronik - Anfang Februar 2017. Die Chronik selbst endet mit der Aufarbeitung 1990.

Ausgewählte Schriftsätze

Im Jahre 1525 werden 18 Hauswirte für Selmsdorf genannt, dazu kommen noch sieben Kätner. Doch war Selmsdorf immer in bischöflichem Besitz; die Abgaben der Bauern dienten dem Unterhalt der Hofhaltung und der Durchführung der politischen Verpflichtungen der Bischöfe als Reichsfürsten. Die Dienste mussten die Bauern zum Hof in ihrem Dorfe und zum Bauhof nach Schönberg leisten.

Selmsdorf wird schon früh Kirchdorf geworden sein. Da sich von der alten Kirche nur eine getuschte Zeichnung aus der Zeit um 1800 erhalten hat, lässt sich annehmen, dass sie spätromanisch war; die Fenster zeigen eher runde als spitzbogige Abschlüsse. Schon 1589 wird festgestellt, dass die Kirche „alt und sehr baufällig“ sei. Zahlreiche große und kleinere Reparaturen, deren Kosten auf die gesamte Gemeinde umgelegt wurden, ließen sie noch fast 300 Jahre stehen. 1861 wurde ein Neubau beschlossen.

Selmsdorf hat im Laufe seiner Geschichte sehr unter kriegerischen Einwirkungen gelitten. Die alte Hansestraße von Lübeck nach Wismar, eine der wichtigsten Handelsstraßen im nördlichen Mitteleuropa, bog allerdings schon in Höhe der alten Försterei nach Osten ab und berührte Selmsdorf nicht so direkt wie die heutige B 105. Doch die durchziehenden Truppen der Kriege zwischen 1600 und 1865 fanden das Dorf immer und bis auf die letzten brandschatzten und plünderten sie meistens.

Doch auch schon zu bischöflichen Zeiten gerieten die Selmsdorfer Bauern immer wieder zwischen die Fronten, wenn die Adelsfamilien der Umgebung in das Stiftsland einfielen. 1331 plünderten die Parkentins auf Dassow das Dorf. 1359 waren sie wieder da, plünderten und brannten große Teile Selmsdorfs nieder.

Doch alles überbot der Dreißigjährige Krieg. Bischof August hatte es verstanden, den Krieg in den ersten Jahren von seinem Land fernzuhalten, doch ab 1625 lösten Durchmärsche und Einquartierungen einander ab. 1638 waren die Bauern nicht mehr in der Lage, ihre Abgaben zu zahlen. Einige Stellen wurden wüst, sodass nach dem Krieg noch acht Voll- und drei Halbhufnerstellen übrig blieben. Das Land der herrenlosen Höfe wurde zum Pachthof gelegt.

Doch kaum hatten sich die Bauern nach Abschluss des Westfälischen Friedens 1548 wirtschaftlich etwas erholt und vor allem den Großbrand von 1685, der von dem Dorf fast nichts übrig ließ, verkraftet, begannen die Durchmärsche und Einquartierungen des Nordischen Krieges. In den Jahren 1711 bis 1721 betrugen die Schäden der Bauern Tausende von Talern. Sie mussten beispielsweise Pferde und Wagen ohne Bezahlung für Transporte stellen; wollten sie sie zurückhaben, mussten sie ihr Eigentum gegen Zahlung von blanken Talern einlösen. Vor allem dänische Söldner misshandelten die Bauern und ihre Knechte auch körperlich.

Im November 1806 plünderten französische Soldaten auch in Selmsdorf. Der Pastor hatte vorsichtshalber 60 Taler Kirchengeld vergraben, alles andere, auch das Kirchensilber wie Kelche, Patenen und die Oblatenschachtel, wurde geraubt. Auch in den Häusern der Bauern wurde geplündert und zerstört. Die Frauen und Kinder waren mitsamt den Kühen und Schafen in ein bewaldetes Sumpfgebiet in Sicherheit gebracht worden. Auch in den Jahren 1813/14 richteten Freund und Feind bei Durchzügen und Einquartierungen Schäden an. Erst bei den Truppendurchzügen von 1850 und 1863/64 erhielten die Bauern für ihre Lieferungen korrekte Bezahlung, und ihre Häuser blieben unangetastet.

Doch auch ohne Krieg wurde Selmsdorf immer wieder von Bränden heimgesucht. Die Häufung von Großbränden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte am 18. Januar 1899 zur Gründung der ersten Freiwilligen Feuerwehr im Fürstentum Ratzeburg.

Selmsdorf wurde 1292 im Ratzeburger Hufenregister erstmalig urkundlich erwähnt. Viele Jahrzehnte lang galt das Jahr 1313 als das „Geburtsjahr“ des Dorfes, doch durch den Fund des genannten Registers in den 60er-Jahren im Lauenburger Archiv und seine Veröffentlichung im Jahre 1986 durch Professor Wolfgang Prange konnten viele Dörfer des Bistums Ratzeburg, so auch Herrnburg oder Retelsdorf, das Jahr ihrer ersten urkundlichen Nennung oft um viele Jahre zurück datieren.

Der Name, zuerst Kelmerstorpe, lässt ebenso auf eine slawischen wie auch eine deutsche Gründung schließen, doch die Anlage des großen Dorfes als Angerdorf mit einer Länge von ursprünglich etwa 500 Metern weist doch eher auf eine deutsche Besiedlung hin. Allerdings waren schon Germanen hier ansässig. Zwei Gräberfelder aus der frühen Eisenzeit brachten wertvolle Funde, darunter auch einen seltenen Gürtelschmuck.

Die Hufenzahl wurde 1292 mit 26 angegeben. Davon waren 17 dem Herzog von Lauenburg zum Burg- und Brückenwerk verpflichtet.

Selmsdorf-Agentur: Karl-Heinz Kniep / Quelle: Heidemarie Frimodig, 29.03.2007

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook.

 

 

Die Geschichte von Selmsdorf

Die Geschichte des Namens geht auf eine Erwähnung im Jahre 1292 als >Villa Zelmerstorp< zurück. Im 14. Jahrhundert sind im Urkundenbuch die Namen Celmerstorpe, Zelmstorpe aber auch Selmstorp oder Zelmerstorp zu finden. Die Besiedelung erfolgte in der Zeit durch Germanische Stämme, die von Norden eingewandert waren. Später siedelten sich slawische Volksstämme, der Wenden und die Polaben an.

Mit den deutschen Eroberern wurde das Christentum eingeführt. Es kam 1066 zu ersten Kämpfen und Aufständen, im 12. Jahrhundert der Sieg des Christentums, Graf Heinrich von Ratzeburg (Heinrich der 1.von Badewide um 1164). Die Grenzgrafschaft umfasste die Länder Ratzeburg, Boitin, Gadebusch, Wittenburg, und möglicherweise Boizenburg. Heinrich förderte die Kolonisation mit Siedlern aus Westfalen sowie die kirchliche Durchdringung, Dorf Bardowiek wurde nach ihm benannt.

Es entstand eine gemischte deutsch-wendische Bevölkerung. Beeinflusst durch die Wenden entstanden die Ringdörfer wie z.B. Teschow. Die Region wurde auch durch Einwanderer aus Schweden, Dänemark und Polen besiedelt. Das einstige Bistum Ratzeburg kam nach der Säkularisierung (Trennung von Kirche und Staat) 1648 als Fürstentum Ratzeburg zusammen mit dem Fürstentum Strelitz zum Großherzogtum Mecklenburg Strelitz.

Wirtschaftlich prägte Lübeck schon frühzeitig das Fürstentum. Es wurde gewöhnlich nach lübscher Mark gerechnet sowie nach Zoll in lübschen Maßen.

Der Einfluß führt zu Streitigkeiten zwischen den Lübeckern und den Mecklenburgern im beginnenden 16. Jahrhundert. Der dreißigjährige Krieg brachte für das Kirchspiel Selmsdorf Verwüstungen, wie überall in den Kampf und Durchmarschgebieten der beteiliegten Truppen.

Der Nordische Krieg 1700-1721 brachte mit Auseinandersetzungen zwischen Dänen, Schweden, Russen und Sachsen weitere Verwüstungen durch Durchmärsche und Einqartierungen. 1806 wurden die Gemeindeteile durch französische Truppen besetzt (Teschower Bauern pflügten ihre Straße um und entgingen so vorerst der Besetzung). Die Besetzung endete 1813 durch einrückende schwedische, dänische und deutsche Truppen (Schill''sche Husaren). Die neue  Kirche ist auf dem Standort der Alten erbaut worden. Sie ist ein heller, ursprünglich weißer, Backsteinbau. Der Entwurf stammt von dem Schönberger Baumeister Fritz Rieckmann. Die Einweihung fand im Dezember 1864 statt. Der Turm hat eine höhe von 36 m und besteht aus drei Stockwerken. Der Grundriss der Kirche bildet ein Kreuz, den Kopf des Kreuzes findet man im Altarraum mit der hinter dem Altar liegenden Sakristei. Anfang des 20.-sten Jahrhunderts gehören zum Selmsdorfer Kirchspiel

  • das Kirchdorf Selmsdorf
  • der Hof Selmsdorf, eine herrschaftliche Domäne
  • das Dorf Bardowick
  • die Försterei Hohemeile an der Chaussee nach Lübeck
  • der Erbpachthof Lauen
  • das Dorf Teschow
  • das Dorf Sülsdorf
  • das Dorf Zarnewenz
  • der Hof Zarnewenz eine herrschaftliche Domäne abseits der Chaussee
  • das Dorf Schwanbeck
  • das Siechenhaus mit Kapelle und Schule

Die Einwohnerzahl wuchs von 928 im Jahre 1919 auf 1075 im Juni 1925 an, mit Hof Selmsdorf sind es 1.175. Für das Dorf sind 73 Gewerbe verzeichnet und 271 Land- und Forstwirtschaften.

Die Industrialisierung des Fischerdorfes Schlutup führte zu ersten Pendlerströmen von Selmsdorfer Einwohnern, die mit der Entwicklung Lübecks verstärkt wurde. Mit dem Bau eines Hochofenwerkes beginnt ab 1910 die Elektrifizierung, die über Grevesmühlen auch bis Selmsdorf, Sülsdorf und Zarnewenz reicht. Die Zahl der Abnehmer wurde Schrittweise ausgebaut. Mit fortschreitender Industrialisierung vollzog sich auch ein Wandel in der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Die Landwirtschaft blieb allerdings bestimmend.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland geteilt. Genau zwischen Selmsdorf und Lübeck. Nach der Gründung der DDR am 07.10.1949, begann man mit dem Bau der Grenzanlagen. Die Grenzanlagen befanden sich zwischen  Selmsdorf und Lübeck führten in südlicher Richtung weiter nach Palingen. Nach Osten wurden sie entlang des Traveuvers errichtet.

Richtung Dassower See über Pötenitz entlang der Ostseeküste. Der erste Zaun wurde direkt an der Landesgrenze errichtet dazwischen lagen ca. 500 m (500m Streifen als Todesstreifen bekannt, hier galt der Schießbefehl) dann kam der Zweite Zaun. Die Grenze war durch Selbstschussanlagen, Minenfelder, Hundestaffeln usw. gesichert. Wer zwischen den beiden Anlagen zu tun hatte oder wohnte, benötigte  einen Sonderpassierschein (Teschow). Dieses Gebiet wurde durch die Grenztruppen besonders gesichert. Ständig patrolierten Streifen (Grenzaufklärer) an den Grenzanlagen. Selmsdorf war auch Grenzübergangsstelle (GÜST), (heute Gewerbegebiet "An der Trave, Höhe Weimann).

Selmsdorf und seine Ortsteile befanden sich im Sperrgebiet. Die Zufahrtsstraßen wurden von Volkspolizeiposten gesichert. Posten befanden sich zwischen Schwanbeck und Schönberg, an der B 104 vor Bauhofwest, an der B 105 am Holmer Berg sowie zwischen Lüdersdorf und Herrnburg. Wer in diesem ca. 6 km breiten Streifen wohnte benötigte eine Sondergenehmigung. (Stempel im Personalausweis) der DDR. Bürger die außerhalb des Sperrgebietes lebten benötigten einen Passierschein um z.B. Verwandte zu besuchen, dieser war wenn er erteilt wurde, zeitlich begrenzt.

Das Leben in Selmsdorf war dadurch eingeschrenkt. Es fand in diesen Jahren keine große Entwicklung statt. Die in der Zeit entstandenen >sozialistischen Errungenschaften< sind fast alle vergangen da sie der Marktwirtschaft nicht standhalten konnten. Bis auf einige Plattenbauten und große Ackerflächen ist von den vierzig Jahren Arbeiter und Bauernstaat kaum etwas übrig. Leider sind auch viele positive Seiten dieser Zeit in Vergessenheit geraten. Oder werden zur Zeit neu erfunden. (Bildungssystem, Kita,........).

Selmsdorfs Hauptarbeitgeber waren zu dieser Zeit die LPG Pflanzenproduktion und die LPG Tierproduktion. Viele Bürger arbeiteten außerhalb des Sperrgebietes. Während dieser Zeit hatte Selmsdorf aber eine eigenständige Verwaltung und einen hauptamtlichen Bürgermeister (Horst Bachmann/SED) sowie einen Parteisekretär (Fritz Nölte/ SED).

Die Grenztruppen und die Landwirtschaft bestimmten das Alltagsbild zu dieser Zeit. Der sozialistische Staat regelte auch in Selmsdorf die Kinderbetreuung (Krippe, Kindergarten, Hort, Schule) sowie Jugendclub usw.

Die sozialistische Planwirtschaft unterlag bekanntlich der Marktwirtschaft.  Mit der Wiedervereinigung veränderte sich auch in Selmsdorf alles. Das einst verschlafene Grenzdorf entwickelte sich wirtschaftlich rasant. Durch gute Gewerbesteuereinnahmen konnte die Gemeinde die Infrastruktur  erneuern. Heute ist Selmsdorf zu einer attraktiven Wohngebietsanlage im Speckgürtel von Lübeck geworden.

Folgen Sie unserem Menü, um einen Streifzug durch die über 100-jährige Geschichte des traditionsreichen Selmsdorfs zu unternehmen.