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10.01.2015

Staatspräsident François Hollande zum Attentat auf die Charlie Hebdo-Redaktion

Ansprache von Staatspräsident François Hollande nach dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo, Paris, 7. Januar 2015.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

heute wurde Frankreich mitten ins Herz getroffen, in Paris, in den Redaktionsräumen einer Zeitung. Bei dieser kaltblütigen Schießerei wurden zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt. Talentierte Zeichner, mutige Chronisten sind tot. Sie haben Generationen von Französinnen und Franzosen durch ihren Einfluss, ihre Frechheit und ihre Unabhängigkeit geprägt. Ich möchte ihnen sagen, dass wir diese Botschaft der Freiheit in ihrem Namen weitertragen werden.

Bei diesem feigen Anschlag wurden auch zwei Polizisten getötet, die zum Schutz der Zeitung Charlie Hebdo und dem Redaktionsteam abgestellt waren, das seit Jahren von Obskurantismus bedroht wurde und dennoch die Meinungsfreiheit hochhielt.
Diese Männer und diese Frau mussten sterben, weil ihre Idee von Frankreich die Idee der Freiheit war. In Ihrem Namen möchte ich hier den Familien, den Betroffenen, den Verletzten, den Angehörigen und all jenen, die heute angesichts dieses feigen Mords zutiefst erschüttert sind, unsere Dankbarkeit aussprechen. Das sind heute unsere Helden und deswegen rufe ich für morgen einen Staatstrauertag aus. Um 12 Uhr soll in allen öffentlichen Einrichtungen eine Schweigeminute stattfinden und ich lade die gesamte Bevölkerung ein, sich anzuschließen. Die Fahnen werden drei Tage lang auf Halbmast gesetzt.

Heute wurde die gesamte Republik angegriffen. Die Republik, das ist Meinungsfreiheit. Die Republik, das ist Kultur, das ist Schöpfergeist, das ist Pluralismus, das ist Demokratie. Das ist es, worauf es die Mörder abgesehen hatten. Es ist das Ideal von Frieden und Gerechtigkeit, das Frankreich auf der internationalen Bühne vermittelt, und es ist diese Nachricht des Friedens und der Toleranz, die wir auch durch unsere Soldaten verteidigen, um Terrorismus und Fundamentalismus zu bekämpfen.

Frankreich hat aus der ganzen Welt Bekundungen der Solidarität und der Brüderlichkeit erhalten und das muss uns in seiner ganzen Bedeutung bewusst sein. Wir müssen dem Ausmaß dieses Verbrechens, das uns so bestürzt, entsprechend handeln, zuerst indem wir die Urheber dieser Gräueltat suchen, damit sie festgenommen, verurteilt und hart bestraft werden können. Es wird alles in Bewegung gesetzt, um sie zu ergreifen. Heute tut die Justiz das ihre, damit die Fahndung vorangeht.

Ebenso müssen wir alle öffentlichen Orte schützen und die Regierung hat die Anti-Terror-Maßnahmen „Vigipirate Attentat“ hochgefahren, das heißt, dass Sicherheitskräfte überall dort eingesetzt werden, wo eine Bedrohung entstehen könnte.

Schließlich muss uns klar sein, dass unsere beste Waffe unsere Einheit ist, die Einheit aller Bürgerinnen und Bürger in dieser schweren Zeit. Nichts kann uns entzweien, nichts darf uns gegeneinander aufbringen, nichts darf uns auseinanderbringen. Morgen werde ich mit den Präsidenten beider Parlamentskammern sowie mit den im Parlament vertretenen Kräften zusammentreffen, um unsere gemeinsame Entschlossenheit zu zeigen.
Frankreich ist groß, wenn es in der Lage ist, in schweren Prüfungen das Beste von sich zu geben, das ihm entsprechende, was ihm immer geholfen hat, schwere Prüfungen zu überwinden. Die Freiheit wird immer stärker sein als die Barbarei. Frankreich hat seine Feinde immer besiegt, wenn es sich geschlossen um seine Werte versammelte. Dazu rufe ich Sie auf. Der Zusammenhalt, der Zusammenhalt aller, in all seinen Formen, das muss unsere Antwort sein.

Stehen wir zusammen in dieser schweren Prüfung. Wir werden gewinnen, denn wir haben alle Fähigkeiten, an unser Schicksal zu glauben und nichts wird unsere Entschlossenheit erweichen.

Stehen wir zusammen. Es lebe die Republik und es lebe Frankreich!

Selmsdorf-Redaktion: Karl-Heinz Kniep / Quelle: Französische Botschaft in Deutschland