Geschichte des Streuobtsbaus


In historischen Zeiten wurden in Mitteleuropa Wildobstarten genutzt. Erst die Römer verbreiteten die Kulturformen der Apfelbäume, Birnbäume, Zwetschgen und Süßkirschen, aber auch der Walnuss und Edelkastanie in Mitteleuropa, wo sie zunächst nur in klimatisch begünstigten Gebieten gedeihen konnten. Die Züchtung robusterer und weniger anspruchsvoller Sorten wurde von den mittelalterlichen Klöstern betrieben. Das Obst wuchs in den „Obstgärten“, während in der freien Landschaft der Weinbau landschaftsprägender war. Alte Gewannnamen wie „Rebberg“ (Haubersbronn) zeugen heute davon. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Obstbau mehr und mehr in der freien Landschaft. Es wurden Obstbaumalleen an Landstraßen angelegt sowie Hausgärten, Allmende und ausgedehnte Wiesen mit verschiedenen Obstsorten bepflanzt.

Der Befall der Weinberge durch den Falschen Mehltau und die Reblaus im 19. Jahrhundert führte zu einer Ausdehnung der Obstbaugebiete. Alte Trockenmauern in den Streuobsthängen sind Zeugen ehemaliger Weinberglagen. Seine größte Ausdehnung hatte der Streuobstbau kurz nach dem zweiten Weltkrieg.
Doch durch Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Industrialisierung, Flächenverbrauch durch Bau von Straßen, Gewerbe- und Wohngebiete verschwanden die großen Streuobstflächen. Von 1957 bis 1974 wurde die Rodung unwirtschaftlicher Altbestände sogar durch den Generalobstbauplan staatlich gefördert.

Heute gehören Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Größere, landschaftsprägende Streuobstwiesen finden sich heute noch in Österreich, in Süddeutschland, am Nordhang des Kyffhäusergebirges und in der Schweiz. Die ausgedehntesten Bestände finden sich am Fuß der Schwäbischen Alb, sie wurden als großes IBA Gebiet (International Bird Area) international unter Schutz gestellt.