Selmsdorf und seine interessante Vergangenheit


Historische Dorfentwicklung

Die Geschichte des Namens geht auf eine Erwähnung im Jahre 1292 als >Villa Zelmerstorp< zurück. Im 14. Jahrhundert sind im Urkundenbuch die Namen Celmerstorpe, Zelmstorpe aber auch Selmstorp oder Zelmerstorp zu finden. Die Besiedelung erfolgte in der Zeit durch Germanische Stämme, die von Norden eingewandert waren. Später siedelten sich slawische Volksstämme, der Wenden und die Polaben an.

Mit den deutschen Eroberern wurde das Christentum eingeführt. Es kam 1066 zu ersten Kämpfen und Aufständen, im 12. Jahrhundert der Sieg des Christentums, Graf Heinrich von Ratzeburg (Heinrich der 1.von Badewide um 1164). Die Grenzgrafschaft umfasste die Länder Ratzeburg, Boitin, Gadebusch, Wittenburg, und möglicherweise Boizenburg. Heinrich förderte die Kolonisation mit Siedlern aus Westfalen sowie die kirchliche Durchdringung, Dorf Bardowiek wurde nach ihm benannt.

Es entstand eine gemischte deutsch-wendische Bevölkerung. Beeinflusst durch die Wenden entstanden die Ringdörfer wie z.B. Teschow. Die Region wurde auch durch Einwanderer aus Schweden, Dänemark und Polen besiedelt. Das einstige Bistum Ratzeburg kam nach der Säkularisierung (Trennung von Kirche und Staat) 1648 als Fürstentum Ratzeburg zusammen mit dem Fürstentum Strelitz zum Großherzogtum Mecklenburg Strelitz.

Wirtschaftlich prägte Lübeck schon frühzeitig das Fürstentum. Es wurde gewöhnlich nach lübscher Mark gerechnet sowie nach Zoll in lübschen Maßen.

Der Einfluß führt zu Streitigkeiten zwischen den Lübeckern und den Mecklenburgern im beginnenden 16. Jahrhundert. Der dreißigjährige Krieg brachte für das Kirchspiel Selmsdorf Verwüstungen, wie überall in den Kampf und Durchmarschgebieten der beteiliegten Truppen.

Der Nordische Krieg 1700-1721 brachte mit Auseinandersetzungen zwischen Dänen, Schweden, Russen und Sachsen weitere Verwüstungen durch Durchmärsche und Einqartierungen. 1806 wurden die Gemeindeteile durch französische Truppen besetzt (Teschower Bauern pflügten ihre Straße um und entgingen so vorerst der Besetzung). Die Besetzung endete 1813 durch einrückende schwedische, dänische und deutsche Truppen (Schill''sche Husaren). Die neue  Kirche ist auf dem Standort der Alten erbaut worden. Sie ist ein heller, ursprünglich weißer, Backsteinbau. Der Entwurf stammt von dem Schönberger Baumeister Fritz Rieckmann. Die Einweihung fand im Dezember 1864 statt. Der Turm hat eine höhe von 36 m und besteht aus drei Stockwerken. Der Grundriss der Kirche bildet ein Kreuz, den Kopf des Kreuzes findet man im Altarraum mit der hinter dem Altar liegenden Sakristei. Anfang des 20.-sten Jahrhunderts gehören zum Selmsdorfer Kirchspiel

  • das Kirchdorf Selmsdorf
  • der Hof Selmsdorf, eine herrschaftliche Domäne
  • das Dorf Bardowick
  • die Försterei Hohemeile an der Chaussee nach Lübeck
  • der Erbpachthof Lauen
  • das Dorf Teschow
  • das Dorf Sülsdorf
  • das Dorf Zarnewenz
  • der Hof Zarnewenz eine herrschaftliche Domäne abseits der Chaussee
  • das Dorf Schwanbeck
  • das Siechenhaus mit Kapelle und Schule

Die Einwohnerzahl wuchs von 928 im Jahre 1919 auf 1075 im Juni 1925 an, mit Hof Selmsdorf sind es 1.175. Für das Dorf sind 73 Gewerbe verzeichnet und 271 Land- und Forstwirtschaften.

Die Industrialisierung des Fischerdorfes Schlutup führte zu ersten Pendlerströmen von Selmsdorfer Einwohnern, die mit der Entwicklung Lübecks verstärkt wurde. Mit dem Bau eines Hochofenwerkes beginnt ab 1910 die Elektrifizierung, die über Grevesmühlen auch bis Selmsdorf, Sülsdorf und Zarnewenz reicht. Die Zahl der Abnehmer wurde Schrittweise ausgebaut. Mit fortschreitender Industrialisierung vollzog sich auch ein Wandel in der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur. Die Landwirtschaft blieb allerdings bestimmend.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland geteilt. Genau zwischen Selmsdorf und Lübeck. Nach der Gründung der DDR am 07.10.1949, begann man mit dem Bau der Grenzanlagen. Die Grenzanlagen befanden sich zwischen  Selmsdorf und Lübeck führten in südlicher Richtung weiter nach Palingen. Nach Osten wurden sie entlang des Traveuvers errichtet.

Richtung Dassower See über Pötenitz entlang der Ostseeküste. Der erste Zaun wurde direkt an der Landesgrenze errichtet dazwischen lagen ca. 500 m (500m Streifen als Todesstreifen bekannt, hier galt der Schießbefehl) dann kam der Zweite Zaun. Die Grenze war durch Selbstschussanlagen, Minenfelder, Hundestaffeln usw. gesichert. Wer zwischen den beiden Anlagen zu tun hatte oder wohnte, benötigte  einen Sonderpassierschein (Teschow). Dieses Gebiet wurde durch die Grenztruppen besonders gesichert. Ständig patrolierten Streifen (Grenzaufklärer) an den Grenzanlagen. Selmsdorf war auch Grenzübergangsstelle (GÜST), (heute Gewerbegebiet "An der Trave, Höhe Weimann).

Selmsdorf und seine Ortsteile befanden sich im Sperrgebiet. Die Zufahrtsstraßen wurden von Volkspolizeiposten gesichert. Posten befanden sich zwischen Schwanbeck und Schönberg, an der B 104 vor Bauhofwest, an der B 105 am Holmer Berg sowie zwischen Lüdersdorf und Herrnburg. Wer in diesem ca. 6 km breiten Streifen wohnte benötigte eine Sondergenehmigung. (Stempel im Personalausweis) der DDR. Bürger die außerhalb des Sperrgebietes lebten benötigten einen Passierschein um z.B. Verwandte zu besuchen, dieser war wenn er erteilt wurde, zeitlich begrenzt.

Das Leben in Selmsdorf war dadurch eingeschrenkt. Es fand in diesen Jahren keine große Entwicklung statt. Die in der Zeit entstandenen >sozialistischen Errungenschaften< sind fast alle vergangen da sie der Marktwirtschaft nicht standhalten konnten. Bis auf einige Plattenbauten und große Ackerflächen ist von den vierzig Jahren Arbeiter und Bauernstaat kaum etwas übrig. Leider sind auch viele positive Seiten dieser Zeit in Vergessenheit geraten. Oder werden zur Zeit neu erfunden. (Bildungssystem, Kita,........).

Selmsdorfs Hauptarbeitgeber waren zu dieser Zeit die LPG Pflanzenproduktion und die LPG Tierproduktion. Viele Bürger arbeiteten außerhalb des Sperrgebietes. Während dieser Zeit hatte Selmsdorf aber eine eigenständige Verwaltung und einen hauptamtlichen Bürgermeister (Horst Bachmann/SED) sowie einen Parteisekretär (Fritz Nölte/ SED).

Die Grenztruppen und die Landwirtschaft bestimmten das Alltagsbild zu dieser Zeit. Der sozialistische Staat regelte auch in Selmsdorf die Kinderbetreuung (Krippe, Kindergarten, Hort, Schule) sowie Jugendclub usw.

Die sozialistische Planwirtschaft unterlag bekanntlich der Marktwirtschaft.  Mit der Wiedervereinigung veränderte sich auch in Selmsdorf alles. Das einst verschlafene Grenzdorf entwickelte sich wirtschaftlich rasant. Durch gute Gewerbesteuereinnahmen konnte die Gemeinde die Infrastruktur  erneuern. Heute ist Selmsdorf zu einer attraktiven Wohngebiets- anlage im Speckgürtel von Lübeck geworden.

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