Bildende Kunst


Verwandtschaft und GegensätzlichkeitIm Künstlerhaus Schloss Plüschow gibt es drei Künstler zu entdecken – drei unterschiedliche Generationen treffen aufeinander.Der alte Vater hat es sich mit der Katze auf dem Schoß im Sessel bequem gemacht. Er stützt den Kopf in die Hand und hält die Augen geschlossen. In leichtem Schlummer begegnet einem auch eine „Ruhende“, den Ellenbogen aufgestützt. Einfache Kohlezeichnungen sind das, die den Moment festhalten – Menschen, die kurz zur Ruhe gekommen sind. Die Blätter sind bräunlich geworden, an den Rändern eingerissen und geknickt. Bilder aus einer anderen Zeit.

„Entdeckungen“ lautet der Name einer Ausstellungsreihe im Künstlerhaus Schloss Plüschow. Zu sehen sind Arbeiten von Gudrun Poetzsch, Wilfried Schröder und Bertram von Schmiterlöw – dem Erschaffer der zarten Momentaufnahmen, die bereits Ende der 50er und in den 60er Jahren entstanden. Bilder jenseits des Ausstellungsbetriebes zu zeigen, die in den Museen des Landes nicht oder nur selten zu finden sind, Bezugslinien von älteren zu jüngeren Generationen, einander befruchtende Malweisen und Handschriften, sei Anliegen der Reihe, so Udo Rathke, der die Ausstellung gemeinsam mit der Malerin Miro Zahra und dem Kunstwissenschaftler Ulrich Rudolph konzipierte. Ebenso wichtig sei die Dokumentation dieser Begegnung im Ausstellungsraum: Jedem der Künstler ist ein Katalog mit Abbildungen ausgewählter Arbeiten und einem Vorwort von Rudolph gewidmet.

Mit Bertram von Schmiterlöw gilt es einen Maler zu entdecken, der kaum über den Raum Stralsund und seinen Geburtsort Franzburg hinaus bekannt ist. 1925 geboren, befasst er sich seit den 40er Jahren mit Kunst, und obwohl er keine akademische Ausbildung absolvierte, erschafft er seit nunmehr sechzig Jahren Bilder von hoher Meisterschaft, Ölbilder und Gouachen, vor allem aber Zeichnungen, deren Motive er seiner unmittelbaren Umgebung abschaut. So finden sich in seinem Werk zahllose Porträts und Bildnisse von Freunden und Bekannten, die in ihrer Zurückhaltung und Skizzenhaftigkeit besonders stark sind.

An konkreten Personen und Begebenheiten arbeitet sich auch der Kühlungsborner Wilfried Schröder (geboren 1945) ab. Bekannt sind vor allem seine expressiven farbigen Holzskulpturen, seine temperamentvoll gearbeiteten jungen Männer, die feinen Porträtköpfe. Parallel dazu hält Schröder Eindrücke oder Erlebnisse in Zeichnungen fest – seien es burleske Impressionen von der Fußballweltmeisterschaft 2006 oder die künstlerische Dokumentation eines Hausbaus. Schröders Blätter sind mit Datum und teils auch mit Kommentaren versehen. Dabei gehen die Blätter über die platte Reflexion des Gewesenen hinaus.

Schröders Zeichnungen sind Abstraktionen in der Fläche, ein dynamisches Gewirr aus Linien, das an Form annimmt und sich zur Figürlichkeit neigt. Das sind Blätter, die Körperdetails nicht selten von ungestümer Erotik zeigen und dabei selber eine starke Körperlichkeit ausstrahlen.

Gänzlich abstrakt arbeitet Gudrun Poetzsch, geboren 1971. Was bei Schmiterlöw das von der Zeit verzehrte Papier, das ist bei der Schülerin von Dieter Goltzsche das widerspenstige Material. Die Künstlerin nutzt Zeitungspapier oder alte Pappen, um sie mit Tusche, Kohle oder Graphit zu neuem Leben zu erwecken und ihren ursprünglichen Zweck zu überlagern. Was bei Wilfried Schröder die sich auflösenden Köpfe und Gliedmaßen sind, das ist bei Gudrun Poetzsch die Erotik der Farbfelder und Flächen, die zueinander in Beziehung treten, sind Schraffuren und Zeichen, die ihre meist unbetitelten Blätter strukturieren.

Drei Generationen treffen im traditionsreichen Künstlerhaus Schloss Plüschow bei Grevesmühlen zusammen, und beim Wandeln durch die Räume offenbart sich Gemeinsames im Fremden, zeigt sich Verwandtschaft bei allem Gegensätzlichen. Eine schöne Entdeckung.

Bis 24. August, Künstlerhaus Schloss Plüschow, „Entdeckungen.

Bertram von Schmiterlöw, Wilfried Schröder, Gudrun Poetzsch“ Di bis So 11.00 bis 14.00 Uhr Schloss Plüschow, Am Park 6, 23936 Plüschow, Tel. 03841/61740 www.plueschow.de