Ambulant betreute Wohnungs- gemeinschaften


Der Umgang mit demenziell erkrankten älteren Menschen gestaltet sich im Verlauf der Erkrankung oftmals schwierig und sehr belastend. Pflegende Angehörige geraten bei der Versorgung ihres erkrankten Familienmitgliedes an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit. Auch professionelle Angebote, wie ambulante Pflegedienste und der Besuch einer Tagespflege, können die Versorgung in einer eigenen Wohnung auf Dauer nicht ausreichend sicherstellen. Verhaltensauffälligkeiten, Unruhe oder sogar Verwahrlosungstendenzen führen die Angehörigen schließlich dazu, über eine
Alternative nachzudenken.

'Ambulant betreute Wohngemeinschaften' sind innovative Wohn- und Versorgungskonzepte, die an die Erfahrungen aus den Niederlanden, Frankreich und Schweden anknüpfen. Sie richten sich an Menschen mit demenziellen Veränderungen, die in der Regel bereits eine Einstufung in der Pflegeversicherung haben.

Von den Initiatoren (Selbstinitiative von betroffenen Angehörigen, private Pflegedienste oder private Organisationen, Träger der Freien Wohlfahrtspflege) werden im 'normalen' Wohnumfeld größere Wohneinheiten (200 - 300 qm) angemietet und für ein gemeinschaftliches Leben umgerüstet. In der Regel sind die ambulant betreuten Wohngemeinschaften für 6 - 8 Demenzkranke ausgerichtet. Jede Bewohnerin bzw. jeder Bewohner der Wohngruppe bezieht ein eigenes Zimmer, das mit den vertrauten eigenen
Möbeln einzurichten ist. Für die gemeinsame Gestaltung des Tages stehen Wohnküche, Wohnzimmer und oft auch ein beschützter Außenbereich zur Verfügung. Der Tagesablauf in der Wohngruppe ist orientiert an familienähnlichen Strukturen und folgt dem Prinzip der 'Normalität der Alltagsorganisation'. So werden unter Anleitung einer Fachkraft die Haushaltstätigkeiten (Einkaufen, Kochen, Reinigung) von allen Mitgliedern der Wohngruppe - sofern möglich - getätigt. Auch pflegende Angehörige
können und sollen sich an den gemeinschaftlichen Aktivitäten beteiligen.

Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind keine Mini-Pflegeheime mit einem abrechenbaren Pflegesatz pro Tag. Vielmehr handelt es sich um eine privatrechtliche gemeinschaftliche Wohnform in einem selbstbestimmten gemeinsamen Haushalt, der unter Anleitung einer Fachkraft organisiert und strukturiert wird. Jede Bewohnerin bzw. Bewohner zahlt für das eigene Zimmer und für die Nutzung der Gemeinschaftsräume ein festes Mietentgelt (ein entsprechender Untermietvertrag wird abgeschlossen). Zusätzlich fallen Kosten für die gemeinsame Haushaltsführung (dieser Betrag erfolgt in Abstimmung mit den Betroffenen und den Angehörigen) und für die Betreuung und Pflege an. Die 24-Stunden-Betreuung und Pflege wird in der Regel über einen frei ausgewählten ambulanten Pflegedienst organisiert. Die Kosten der Pflege können bei Vorliegen einer Pflegstufe mit der Pflegekasse abgerechnet werden.

Das Interesse an der Neugründung von Wohngemeinschaften für Demenzkranke hat auch im Landkreis Nordwest-Mecklenburg spürbar zugenommen. Wohngemeinschaften für demeniell Erkrankte werden in unterschiedlicher Organisationsform angeboten; eine rechtsverbindliche Norm für die Ausgestaltung von Wohngemeinschaften besteht nicht. Es ist zu empfehlen, vor Abschluss eines Vertrages eine ausführliche Beratung einzuholen.