800. Geburtstag für eine junge Kirch-Gemeinde


Selmsdorf - 800. Geburtstag für eine junge Gemeinde

Mit Selmsdorf feiert eine ungewöhnlich junge Kirchgemeinde ihr 800-jähriges Bestehen. Sie wächst entgegen dem landesweiten Trend.Kleinkinder krabbeln über Decken, die ihre Eltern auf den Boden des Gemeinderaums gelegt haben – ein typisches Bild für die „Kirchenzwerge“ in Selmsdorf. Viel Platz haben die Lütten nicht. „Der Gemeinderaum ist eigentlich zu klein, die Gruppen sind oft größer als der Platz es hergibt“, sagt Torsten Woest, Gemeindediakon in Selmsdorf. Hier wächst die Kirchgemeinde entgegen dem landesweiten Trend. Mehr als 700 Mitglieder hat sie mittlerweile. Zu DDR-Zeiten war ihre Zahl von 300 auf 200 zurückgegangen.

„Vor allem junge Familien bilden heute das Gesicht der Kirchgemeinde“, sagt Torsten Woest. Gut besuchte Seniorentreffs für die ebenso willkommenen ältereren Menschen gibt’s zwar auch, aber das Gros bilden regelmäßige Veranstaltungen für jüngere: Treffs der ein- bis dreijährigen „Kirchenzwerge“, der drei- bis sechsjährigen „Kirchenknirpse“, des Kinderchors, der Christenlehregruppen, der Vorkonfirmanden, der Hauptkonfirmanden und der „Jungen Gemeinde.“ Auffällig auch die vielen Familiengottesdienste und Taufen, das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher und ein neuer Kirchgemeinderat, dem ungewöhnlich viele junge Frauen und Männer angehören. Gewählt sind Rebekka Blank-Griesbeck, Kathrin Gieski, Jana Nesemann, Matthias Schorling, Christiane Woest, Stephanie Wüstefeld, Sebastian Schmitz und Hans-Jürgen Kleinfeld.

Jung ist die besondere Kirchgemeinde im Nordwesten von Mecklenburg. Und trotzdem ist sie alt. Genau 800 Jahre. „Das ist aus Unterlagen im landeskirchlichen Archiv in Schwerin ersichtlich“, sagt Christiane Woest. Die studierte Historikerin und Ehefrau des Gemeindediakons arbeitet an der ersten umfassenden Chronik für Selmsdorf.

Der 800. Geburtstag ist Anlass für eine Feier, die am Sonntag, 4. Juli, um 14 Uhr mit einem musikalischen Festgottesdienst beginnt. In seinem Rahmen stellt sich der neue Kirchgemeinderat vor. Danach lädt die Gemeinde zu Spielen, Malwettbewerb, Ponyreiten, Tombola, Essen und Getränken ein. Um 17 Uhr folgt eine Kulturveranstaltung in der Kirche mit dem Titel „Die wilden Schwäne“ mit Bildern von Susanne Sörensen-Lohm, Auftritten des Jugendprojektchors Selmsdorf, eines Märchenerzählers und einer Tanzpantomime. An der Orgel interpretiert Jens Sörensen Liedbearbeitungen und lyrische Stücke.

Trotz Pfusch am Bau: Kirche ist heute ein Kleinod.

Gelbe Klinker waren schwer in Mode, als die Kirchgemeinde Selmsdorf ihr neues Gotteshaus bauen ließ. Der fast 300 Jahre alte Vorgängerbau war Mitte des vorigen Jahrhunderts zu klein für die wachsende Schar der Gläubigen, die aus Selmsdorf kamen, aus Lauen, Bardowiek, Teschow, Sülsdorf, Zarnewenz, Hof Selmsdorf, aus dem Siechenhaus unweit von Schwanbeck und aus der Försterei Hohemeile. Den ursprünglichen Plan, die Kirche zu vergrößern, gab die Gemeinde auf. Stattdessen ließ sie das Gotteshaus 1862 abreißen und an der selben Stelle ein viel größeres bauen. Es bot nach bei seiner Eröffnung am 11. Dezember 1864 rund 680 Plätze — fast doppelt so viele wie das alte.

Gelbe Klinker aus den Ziegeleien in Schönberg und Röggelin zu verbauen, erwies sich jedoch als keine gute Wahl, denn kaum war die neue Kirche im damals angesagten Stil der Neogotik fertig, begannen Steine zu bröckeln. Bald wurde die neue Kirche zur Baustelle. Handwerker reparierten des Öfteren Schäden. 1893 mussten sie sogar den kompletten Turm neu verblenden.

Heute ist die Selmsdorfer Kirche dank ihrer ungewöhnlichen Architektur und der weitgehend im Original erhaltenen Innenausstattung ein kleines Juwel.

Selmsdorf-Agentur: Karl-Heinz Kniep / Quelle: Mit freundlicher Genehmigung Michael Bernd, Lübecker Nachrichten, 30.06.2010.

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